Der Vorname ist der richtige, doch ihren Nachnamen will sie nicht verraten. Ihr Künstlername Stella – oft auch STELLA in Grossbuchstaben – taucht immer wieder auf, nicht nur auf dem Kleid, das sie während der Ausstellung trägt: als ein eleganter Schriftzug mit integriertem Herzen. Ihr Name lässt sich als Marke verstehen, die Künstlerin und ihr Werk als eine Einheit. Genauso wie die bekannten internationalen Mode-, Schmuck- und Kosmetikkonzerne wie Chanel, Dior oder Versace mit ihren Produkten identisch sind, die sie auf den Markt an die wohlhabende Käuferschaft bringen.

Stella ist als Gewinnerin des Helvetia-Kunstpreises 2016 an die Kunstmesse Liste eingeladen worden, nachdem sie die Jury mit «American Dream» überzeugt hatte, einer Arbeit über die Traumfabriken Hollywood und Las Vegas. Hier ist sie nun eine von vielen. Sie freue sich, zum ersten Mal im Umfeld der Art Basel ausstellen zu können. Ihre jetzige Installation «oder eigentlich InSTELLAtion», wie sie lächelnd ergänzt: Aus einfacher Paketschnur gehäkelte Taschen in verschiedenen Grössen präsentieren sich an den Wänden vor Malerei. Drei luftige, bunte Stoffbahnen aus Seide trennen den Raum, eine Bank mit Sitzkissen lädt zum Verweilen und selbstgefertigte Tischlampen sorgen für eine gemütliche Atmosphäre.

Marken und Märkte

Die Konsum- und Warenwelt ist es, auf die Stella immer wieder ironisch und spielerisch anspielt. Inspiriert wurde sie diesmal von der aktuellen Frühjahrs- und Sommerkollektion der Marke Chanel -- obwohl ihre Häkeltaschen nur entfernt an das durchgestylten Design des Labels erinnern. Ist es denn auch eine Kritik an der Warenwelt? Stella lässt diese Frage offen und verweist auf das Motto ihrer Installation: «No Money No Original». Sie will damit sagen: Da sie kein Geld für eine Originaltasche hatte und nicht sparen wollte, habe sie sich ihr eigenes Original geschaffen. Dieses Vorgehen nennt sie auch eine «Verdoppelung im Unikat».

Stella, Zürcherin mit Basler Wurzeln, kennt die Welt der Marken und Märkte bestens: Die 1990 Geborene ist gelernte Grafikerin und Absolventin des Bachelor-Studiengangs Bildende Kunst an der Zürcher Hochschule der Künste, arbeitet nebenbei in der Werbung. «In der Kunst habe ich die Freiheit, das zu machen, was ich will», sagt sie, die ihr Studium in Basel fortsetzen möchte. Sie malt, zeichnet, häkelt, filmt, fotografiert, installiert. Sie arbeite exzessiv und produziere sehr viel, sagt sie: «Ich will mich nicht beim Nichtstun ertappen.»

Mit Bezug auf Warhol und Haring

Die Faszination für die Wunderwelten des Konsums begleitet sie, für das Spiel mit Träumen und Sehnsüchten. So hat sie schon einen Duty-free-Shop auf eine 10-mal-4-Meter-Landwand gemalt oder die Papiertragetasche einer Luxusmarke nachgehäkelt. Wenn Stella über ihre Arbeiten spricht – sie tut das gern, wortreich und selbstbewusst –, nimmt sie Bezug auf die Pop-Art und Künstler wie Andy Warhol und Keith Haring. Sie habe zwar ein Herz für jene Kunst, die als plakativ gilt, und finde es gut, wenn diese ihren Weg in die Gesellschaft findet. Aber sie sei manchmal nicht sicher, ob diese Kunstwerke auch immer die richtige Wertschätzung erfahren.

Die Künstlerin ist anwesend

Während der Kunstmesse-Liste wird Stella an einem Tischchen beim Ausgang ihrer Installation sitzen, mit dem Publikum diskutieren, an ihrem Laptop arbeiten und vielleicht auch das eine oder andere Werk verkaufen: «Schön wäre es, wenn jemand mit einer meiner Taschen herumlaufen würde.» Sie hat natürlich selber eine dabei. Auf zwei Bildschirmen über ihr laufen Videos mit selbstgedrehten Werbespots.