Comedy
«Sechsminuten» in zweieinhalb Stunden

Das Komikerduo Ursus und Nadeschkin testete am Wochenende in Brugg sein neues Bühnenprogramm «Sechsminuten». Ins Schwitzen kamen am Samstagabend nicht nur Ursus und Nadeschkin, sondern auch die Zuschauer im vollbesetzten Kulturhaus Odeon.

Sven Millischer
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Ursus & Nadeschkin. Geri Born

Ursus & Nadeschkin. Geri Born

Ins Schwitzen kamen am Samstagabend nicht nur Ursus und Nadeschkin auf der Bühne, sondern auch die Zuschauer im vollbesetzten Kulturhaus Odeon in Brugg. Bei gefühlten 40 Grad war nicht immer klar, ob es sich um Lachtränen oder Schweissperlen handelt, welche das Publikum in Strömen vergoss. Eigentlich beginne die Bühnensaison erst im kühleren September, erklärt Luc Humbel, Leiter der Sparte Kleinkunst: «Für Ursus und Nadeschkin haben wir aber gerne eine Ausnahme gemacht.»

Vorbereitung auf die Premiere

Schliesslich hat das bekannte Komikerduo Brugg zur Teststätte für sein neues Programm auserkoren. «Sechsminuten» feiert zwar erst am 5. September im Casinotheater Winterthur Premiere, doch zuvor absolvieren Nadja Sieger und Urs Wehrli an verschiedenen Orten in der Schweiz zehn Probevorstellungen vor ausgewähltem Publikum. Die gesamte mediale Aufmerksamkeit konzentriere sich heutzutage auf den Premierenabend, sagt der gebürtige Aarauer Wehrli: «Um diesem Erwartungsdruck gerecht zu werden, machen wir im Vorfeld sogenannte Tryouts.»

Forschende in Sachen Komik

Die letzten drei Bühnenproduktionen hatten Ursus und Nadeschkin jeweils im Ausland realisiert. Bevor also die Feuertaufe in der Schweiz anstand, gab das Komikerduo in London, New York und Melbourne zwischen fünf bis zehn Vorstellungen auf Englisch. Für das neue Programm «Sechsminuten», bei dem einmal mehr der kongeniale Basler Regisseur Tom Ryser mitwirkt, fiel die Wahl nun auf Brugg. Nicht zuletzt, weil das Komikerduo neben den zwei Vorstellungen auch tagsüber im Odeon proben durfte.

Solche Testvorstellungen passen perfekt zur Arbeitsweise von Ursus und Nadeschkin, diesem Work in progress: Man kann sich zwar Pointen am Schreibtisch überlegen, aber die Nagelprobe findet stets auf der Bühne statt. «Entsprechend verstehen wir uns als Forschende in Sachen Komik», sagt der gelernte Schriftsetzer Wehrli. Wie Chemiker mische man die Elemente und schaue, wie das Publikum darauf reagiere. «Häufig haben wir etwas anderes im Sinn gehabt als das, was letztlich dabei herausgekommen ist.» Entsprechend sei die Nachbearbeitung dieser Werkstattshows enorm wichtig.

Eingespielstes Bühnenpaar

So nimmt Regisseur Ryser sämtliche Tryouts mit der Videokamera auf und bespricht sie im Anschluss intensiv mit dem eingespielten Bühnenpaar. So auch die Vorstellung in Brugg, mit der Urs Wehrli nach eigenem Bekunden «sehr unzufrieden» war. Nicht zuletzt, weil in der letzten Viertelstunde Ursus und Nadeschkin gezwungenermassen ihr stupendes Improvisationstalent unter Beweis stellen mussten, nachdem ein Kurzschluss einen Teil der Beleuchtung ausser Gefecht gesetzt hatte.

Dem Publikum blieb das Malheur jedoch fast bis zuletzt verborgen. Erst als das Komikerduo auch die Special effects – von der Glitterkanone bis zu den Audioeinspielern – nur noch ansagen konnte, war klar, dass bei «Sechsminuten» noch nicht alles rund läuft. Indes bleiben Ursus & Nadeschkin ja noch gut zwei Wochen Zeit, dem Programm den letzten Feinschliff zu geben.

Hohes Tempo

Nichtsdestotrotz. Die Besucher gingen am Samstagabend vergnügt nach Hause, denn das neue Programm ist mehr als eine blosse Ansammlung von Kalauern und Clownerie. Ohne viel verraten zu dürfen: «Sechsminuten» nimmt in hohem Tempo die Manierismen des Showbusiness aufs Korn und spielt gekonnt mit der Erwartungshaltung des Publikums. Dabei gewährt einem das Komikerduo einen Blick hinter die Kulissen und in seine komödiantische Trickkiste. Womit auch der Bezug zum eigenen Künstlerleben hergestellt wäre. Denn Ursus und Nadeschkin feiern in diesem Jahr ihr 25-Jahr-Bühnenjubiläum. Glückwunsch!

Ursus & Nadeschkin Premiere von «Sechsminuten» am Mi, 5. September, 20 Uhr im Casinotheater Winterthur.