Die gute Nachricht aus Bern erreichte die Kunsthaus-Direktorin Madeleine Schuppli in den Ferien. Am Montag war sie zurück und erreichbar. «Wir sind überglücklich, dass wir Geld vom Bund bekommen», sagt sie. «Damit können wir für die Sammlung Projekte realisieren, die wir immer wieder zurückstellen mussten.» Die Beiträge des Bundes sind für das Aargauer Kunsthaus tatsächlich substanziell: Ab 2018 bis 2022 bekommt es insgesamt 1,5 Millionen Franken. Das sind ungefähr 5 Prozent des Jahresbudgets (siehe Grafik).

Was werden wir als Besucherinnen von diesem Geld sehen oder spüren? Madeleine Schuppli reagiert zurückhaltend: «Wir haben einen ganzen Strauss an Ideen.» Da die Leistungsvereinbarung mit dem Bundesamt für Kultur (BAK) erst ab September ausgehandelt werde und das erste Geld 2018 fliesse, sei noch nichts spruchreif. «Erst müssen wir selber die Prioritäten setzen», sagt Schuppli – und zieht dann doch die eine oder andere Idee aus ihrem Projekt-Strauss: «Wir haben seit anderthalb Jahren einen Teil unserer Sammlung online, diesen Auftritt möchten wir beispielsweise erweitern, aktualisieren und attraktiver machen.»

Damit könne man die Ausstrahlung stärken, aber auch den Service für Besucherinnen oder die Information für Lehrer verbessern. «Wir haben aktuell nur gerade zwei Teilzeitstellen für den Unterhalt einer Sammlung mit mehr als 17 000 Werken», rechnet Schuppli vor, «eine Registratorin und einen Restaurator. Damit sind wir sehr schmalbrüstig dotiert.» Eine Sammlung müsse leben, müsse belebt werden. Die Präsentation der Sammlung in den Ausstellungsräumen wolle und müsse man immer wieder ändern. «Man kann nie alles zeigen, deshalb sollen sie die Besucher immer wieder neu und anders erleben.»

Erstmals auf Bewerbung

Genau mit solchen Ideen hat das Aargauer Kunsthaus mögliche Beiträge beim Bundesamt für Kultur (BAK) begründet. Denn einfach oder automatisch fliesst der Geldsegen nicht von Bern nach Aarau. Das Kunsthaus musste sich bewerben – und machte zusammen mit zwölf anderen Institutionen beim Expertengremium das Rennen. Drei Kriterien galt es zu erfüllen: Die Museen müssen erstens eine gesamtschweizerisch bedeutsame Ausstrahlung und Qualität aufweisen, zweitens über eine für das kulturelle Erbe der Schweiz bedeutsame und einzigartige Sammlung von hohem kulturellem Wert verfügen sowie drittens eine innovative und breite Vermittlungsarbeit leisten.

Eine solche Ausschreibung hat der Bund nun erstmals gemacht, bisher haben Bundesrat und Parlament in der Kulturbotschaft jeweils die Museen bestimmt. «Mit der offenen Ausschreibung und der Definition von Kriterien kann der Bund seine Beiträge nun objektiver begründen», sagt Daniel Menna von der Kommunikationsstelle des BAK. «Das ist wichtig, sind die 5,9 Millionen Franken pro Jahr doch öffentliche Steuergelder.» Und es sind eine Million Franken mehr als bisher.

Unter den geförderten Museen sind vor allem technische und historische Sammlungen, wie das Verkehrshaus, das Technorama oder das Freilichtmuseum Ballenberg. Nun bekommen erstmals zwei Kunstmuseen Beiträge: Das Museo d’arte della Svizzera italiana in Lugano und das Aargauer Kunsthaus. Warum nur zwei? Das könne er nicht beantworten, sagt Daniel Menna. «Entweder haben sich nicht mehr Kunstmuseen beworben oder sie haben die Kriterien nicht erfüllt.» Die Namen der leer ausgegangenen Institutionen gibt das Bundesamt für Kultur nicht öffentlich bekannt. Auch nicht die detaillierte Begründung für Zusagen oder Kürzungen.

Kaum Sponsoren für Sammlung

Bekannt sind die Beiträge im Detail: Das Kunsthaus bekommt 250 000 Franken für 2018, 290 000 Franken für 2019 und von 2020 bis 2022 sogar 320 000 Franken jährlich. Danach müsse sich das Kunsthaus wieder neu bewerben, sagt Schuppli. «Sicherheit oder ein Abonnement hat ja kein Haus.»

Mit zum Erfolg beigetragen hat sicher, dass das Aargauer Kunsthaus die grösste Sammlung an Schweizer Kunst besitzt. Das macht seinen Ruf als heimliche «Nationalgalerie» aus und zieht Besucher weit über die Kantonsgrenzen an. Trotzdem, Publikum und Sponsoren locken vor allem die Sonderausstellungen an – wie aktuell «Swiss Pop Art». «Für die Arbeit mit der Sammlung findet man kaum Sponsoren», sagt Madeleine Schuppli, «gerade deshalb sind die Bundesgelder so wichtig.»