Sie ist die schillerndste Hotelbesitzerin der Schweiz. In Russland geboren, wanderte sie zuerst nach Wien aus und studierte Choreografie und Tanz an der Kunstakademie und machte sich dort als «Vedette», wie sie betont, einen Namen. Keine Tänzerin sei sie gewesen, sondern ein Star.

Durch ihre Heirat mit Caspar Manz stieg Ljuba Manzin die höchsten Kreise der Wirtschaft in der Schweiz auf und leitet nun seit vielen Jahren die Hotelkette Manz Privacy Hotels Switzerland. 

Die heute 78-Jährige begann ihre Tanzkarriere in Russland, wo sie eine Ballettschule besuchte. Danach studierte sie in Wien an der Kunstakademie. «Es gibt viele Tänzerinnen, aber ich habe Tanz und Choreografie studiert, ich bin nicht nur ein bisschen rumgehüpft. Das ist der Unterscheid. Wenn man tanzen kann, dann verdient man damit auch Geld», sagt Manz.

Die heutige Hotelmanagerin weiss nicht nur zu tanzen, sondern auch zu polarisieren. Angesprochen auf die Frage, was sie von der Me-Too-Bewegung hält, antwortet sie: «Ich gehöre nicht zu den Me-too-Girls. Ich finde das eine Katastrophe. Heute steigt ein Mann nicht alleine mit einer Frau in den Lift. Sie könnte ihn ja später verpetzen und sagen, er hätte sie unanständig berührt.»

Für Manz ist das Ganze eine Hysterie. «Die Hormone zwischen einer Frau und einem Mann müssen doch fliessen, das Ying und Yang muss hin und her gehen. Man schaut sich an, man lächelt sich an.»

Zwei Heiraten, die für Aufruhr sorgen

Durch die Heirat mit Caspar Manz wurde Ljuba Manz in eine Welt katapultiert, die von Männern dominiert wurde. «Zu dieser Zeit wurde die Schweiz vorwiegend von Männern regiert, die alle durch die Mitgliedschaft im Reitklub, im Jagdklub und natürlich durchs Militär miteinander bekannt  waren und einander aushalfen. Als Frau in diese Gruppe hineinzukommen, damit sie auch nur ein bisschen Informationen bekommt, war ein Ding der Unmöglichkeit», so Manz. Es sei sehr schwierig gewesen, in die Wirtschaft hineinzuhören, ganz zu schweigen mitzureden.

Im Laufe der Jahre übernahm Ljuba Manz eine immer gewichtigere Rolle im Konzern ihres Mannes. Heute beschäftigt sie in der Führungsriege ihres Konzerns sowohl Männer wie auch Frauen. «Ich finde es diskriminierend, Frauen als eine Quote zu betrachten. Für mich zählt die Leistung. Je nachdem wer die Leistung erbringt, der gehört in den Staat, der gehört in die Regierung. Ob Mann oder Frau, sollte sekundär sein.»

Sie spricht auch vom Aufruhr der entstand, als die sie damals als junge Russin den verwitweten Caspar Manz heiratete. «Mein Mann war damals seit zwei Jahren verwitwet. Er hatte vier kleine Kinder aus erster Ehe, fünf Pferde und ein Geschäft, dass er erst vor kurzem aufzubauen begonnen hatte. Er war komplett verunsichert und unsicher, wohin die Reise gehen würde. In dieser Situation lernte er mich kennen. Ich hatte damals schon einige Jahre ein Geschäft geführt, hatte schon die Managerschule hinter mir und wusste, wie man ein Unternehmen struktuiert und aufbaut. Das hatte er gespürt und sich dann in mich verliebt. Man weiss ja nie was Liebe ist, aber es ist in der Regel das, was der andere hat, was einen anzieht. Oft ist es dabei das Gegenteil von sich selbst.»

Sehen Sie hier die Sendung TalkTäglich mit Ljuba Manz in voller Länge:

Ljuba Manz, Hotelière und Unternehmerin, im TalkTäglich

Nicht nur die Heirat mit dem einige Jahre älteren Caspar Manz löste Wellen aus. Nach dem Tod ihres Mannes 2010 heiratete Manz vier Jahre später den österreichischen Mathematiker Marco Conte, der seinerseits rund 30 Jahre jünger war als Ljuba Manz.

Auf die Frage, welcher Entscheid denn für den grösseren Wirbel sorgte, antwortet Manz mit einem Lachen: «Nach der zweiten Heirat sagten meine Söhne im Scherz, dass sie niemals mehr nach Hause kommen würden.» Etwas ernster führt sie fort: «Es war in der Tat ein riesen Aufruhr. Aber die Mutter meines jetzigen Mannes war sehr generös zu mir, obwohl sie ein Jahr jünger ist als ich selbst, aber sie gab mir ohne Umschweife ihren Segen.»

Das eigene Leben im Buch erzählt

Wenn wie bei Ljuba Manz das ganze Leben in einem Buch niedergeschrieben wird, löst dass natürlich eine Vielfalt von Emotionen aus. So auch bei Ljuba Manz: «Es löste ganz viele Erinnerungen aus. Zum Teil glückliche, aber auch traurige oder nachdenkliche», sagt sie.

Eine Erinnerung sei ihr gerade jetzt in der Weihnachtszeit sehr präsent: «Als ich als junge, bettelarme Teenagerin in Wien unterwegs war und mit einer Freundin durch die Strassen ging, sah man überall das Licht in den Fenstern brennen. In jedem Fenster hängte ein Lichtchlein, und durch das Fenster hindurch sah man Weihnachtsbäume mit Kerzen. Früher waren die Strassen noch nicht beleuchtet, alles war finster. Und ich dachte: Lieber Gott, schenk mir doch auch so ein Lichtchen», erzählt Manz sichtlich bewegt.

Heute, viele Jahre später, sieht für Manz die Situation natürlich ganz anders aus. Sie ist Managerin eines Hotelkonzerns mit Dutzenden von Angestellten. Mit ihrer Rolle und dem Reichtum, den sie heute besitzt, hat sie natürlich einen anderen Bezug zum Geld.

Geld bedeutet für Manz einerseits Verantwortung, andererseits gibt es aber auch eine gewisse Sicherheit. «Man muss natürlich auch schauen dass man es nicht verliert», sagt sie mit einem Lächeln. «Man muss sehr vorsichtig mit dem Geld umgehen. Aber das kann ich, weil ich so viele Jahre ohne Geld gelebt habe und darum kenne ich auch den Wert des Geldes.» (hap)