Literatur
Nicholas Sparks: «Ich denke beim Schreiben an einen Film»

Der Bestseller-Autor Nicholas Sparks über ewige Liebe, Schreiben fürs Kino und sein Vorbild Stephen King.

Marlène von Arx
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«Ich war in der Schule in den Aufsätzen nicht besser als in Mathe oder Geschichte»: Nicholas Sparks. HO

«Ich war in der Schule in den Aufsätzen nicht besser als in Mathe oder Geschichte»: Nicholas Sparks. HO

Nicholas Sparks, sind Sie ein sentimentaler Romantiker?

Nicholas Sparks: (schmunzelt) Damit kann ich leben: Romantisch ist es, wenn man an jemanden denkt, wenn man eigentlich etwas anderes denken sollte, und das dieser Person auch kommuniziert. Zum Beispiel Blumen mit nach Hause bringt oder Fisch einkauft, weil sie das mag, auch wenn ich lieber Steak hätte. Und sentimental interpretiere ich wie einfühlend, also positiv. Wenn ich an meine Eltern denke, die vor langer Zeit verstorben sind, werde ich schon sentimental. Ich wünschte, ich hätte sie als Erwachsener und als Freunde gekannt, nicht nur als Eltern.

Ewige Liebe ist in Ihrem berühmtesten Buch «The Notebook» ebenso ein Thema wie hier in «The Longest Ride», in dem sich ein älterer Mann an die Liebe seines Lebens erinnert, während sich ein junges Paar verliebt. Träumen Sie davon, mit jemandem alt zu werden?

Nicholas Sparks

Zur Person: Nicholas Sparks wurde am 31. Dezember 1965 in Nebraska geboren, wuchs in Kalifornien auf, studierte dank eines Leichtathletik-Stipendiums in Indiana und liess sich schliesslich in North Carolina nieder, wo die meisten seiner Romane spielen. Er jobbte als Immobilienmakler und Arzneimittelverkäufer, ehe sein dritter Roman-Anlauf «The Notebook», die Geschichte der Grosseltern seiner Frau, veröffentlicht und zum Bestseller wurde. Cathy und Nicholas Sparks heirateten 1989 und haben fünf Kinder. Das Paar trennte sich Anfang Jahr. 2008 gründete Sparks in New Bern eine christliche Schule. Zehn seiner insgesamt 17 Bücher wurden bisher verfilmt. (mva)

The Longest Ride: Schmalzig wie von einer Nicholas Sparks-Adaption zu erwarten, lohnt sich «The Longest Ride» schon deshalb, sich mit dem bald allgegenwärtigen Scott Eastwood vertraut zu machen. Clint Eastwoods Sohn spielt einen Bull Rider, der sich in eine Kunststudentin (Britt Robertson) mit Grossstadtambitionen verliebt. Während ihrer Verhandlung über eine gemeinsame Zukunft lernen sie Ira (Alan Alda) kennen, der in den Erinnerungen an die Liebe seines Lebens (Oona Chaplin) schwelgt. «The Longest Ride» könnte für Scott Eastwood das gleiche bedeuten wie einst der Sparks-Klassiker «The Notebook» für Ryan Gosling: Die Eintrittskarte zum Club von Hollywoods Top Leading Men. (mva)
The Longest Ride (USA, 2015), 128 Min. Regie: George Tillman Jr. Mit: Scott Eastwood, Britt Robertson, Alan Alda, Oona Chaplin, Jack Huston, u.a. 

Sparks Verfilmungen

1998 Message in a Bottle (Weit wie das Meer). Mit Kevin Costner, Robin Wright.

2002 A Walk to Remember (Zeit im Wind). Mit Mandy Moore, Shane West.

2004 The Notebook (Wie ein einziger Tag) Ryan Gosling, Rachel McAdams.

2008 Nights in Rodanthe (Das Lächeln der Sterne). Mit Richard Gere, Diane Lane.

2010 Dear John ( Das Leuchten der Stille). Mit Channing Tatum, Amanda Seyfried.

2010 The Last Song ( Mit Dir an meiner Seite) Mit Miley Cyrus, Liam Hemsworth.

2012 The Lucky One (Für immer der Deine). Mit Zac Efron, Taylor Schilling.

2013 Safe Haven (Wie ein Licht in der Nacht) Mit Josh Duhamel, Julianne Hough.

2014 The Best of Me (Mein Weg zu Dir). Mit James Marsden, Michelle Monaghan.

2015 The Longest Ride (Kein Ort ohne Dich). Mit Scott Eastwood, Britt Robertson.

Sie haben sich Anfang Jahr von Ihrer Frau getrennt. Wird die Scheidung Einfluss auf den Liebes-Optimismus Ihrer Bücher haben?

Nicht unbedingt. Teresa in »Message in a Bottle» war geschieden. In «Nights in Rodanthe» waren beide Hauptfiguren geschieden. Meine Frau und ich stehen uns immer noch sehr nahe. Wir haben fünf Kinder. Ihretwillen möchte ich nicht mehr dazu sagen.

«The Longest Ride» ist Ihre zehnte Romanverfilmung. Clint Eastwoods Sohn Scott spielt die männliche Hauptrolle. Entdecken Sie gerne neue Talente für Ihre Filme?

Das kommt auf die Geschichte an, Kevin Costner und Richard Gere habe ich für «Message in a Bottle» bzw. «Nights in Rodanthe» sicher nicht entdeckt, die Karrieren von Ryan Gosling und Channing Tatum haben mit «The Notebook» und «Dear John» hingegen schon Aufwind bekommen. Im Fall von «The Longest Ride» hatten wir Britt Robertson gecastet, und wir suchten ein aufstrebendes Talent, das zu ihr passte. Man fängt mit 12 Namen an, verringert diese relativ schnell auf zwei. Scott hatte eine besondere Chemie mit Britt und war sehr enthusiastisch. Er überzeugte uns alle.

Sie amtieren als Produzent und Drehbuchautor. Denken Sie mittlerweile in Film-Bildern, wenn Sie schreiben?

Ich muss beim Schreiben schon an den Film denken, denn die Geschichte muss in beiden Medien als Original bestehen können. Ich würde zum Beispiel nie einen Roman schreiben, der auf der «Titanic» spielt. Als Roman ginge es noch, aber als Film wäre das Thema sehr unoriginell.

Hätten Sie keine Lust, mal ein anderes Genre als eine Liebesgeschichte, die in North Carolina spielt, auszuprobieren?

Ich bin nicht naiv, was die Welt betrifft. Ich mag die TV-Serie «Dexter» und den Film «Silence of the Lambs», Beispiele ganz schön düsterer Unterhaltung. Aber Düsteres, wie Sex und Horror, sind oft nur einfache Abkürzungen, um Aufmerksamkeit zu erregen. Ich hatte Abenteuer und übersinnliche Elemente in meinen Geschichten, aber hauptsächlich geht es mir darum, das Publikum emotional zu berühren. Schreiben ist schwer genug, da muss ich nichts Neues ausprobieren. Wenn ich einen Justiz-Roman schreiben würde, wäre er sicher nicht besser als einer von John Grisham, der das schon lange macht.

Ihre Bücher schreiben sich mittlerweile nicht von selber?

(lacht) Oh Gott, nein! Auch nach 17 Romanen nicht. Letzte Woche habe ich 22 Stunden lang die gleiche Seite redigiert. Ich gehöre nicht zu den Autoren wie Stephen King, für die Schreiben etwas Friedvolles und Therapeutisches ist, sondern ich gehöre eher in die Schule von Hemingway, der sagt, der erste Entwurf ist immer Mist. Ich bete jeden Abend, dass die Gartenzwerge mir über Nacht sechs Seiten schreiben.

Wie hat es mit dem Schreiben für Sie angefangen?

Ich war in der Schule in den Aufsätzen nicht besser als in Mathe oder Geschichte, aber ich war ein guter Schüler und die Lehrer mochten mich – was meine Geschwister sehr ärgerte. Ich war ein Leichtathlet. Während einer zweimonatigen Verletzungspause ging ich fast die Wände hoch, so sagte meine Mutter, ich soll eine neue Beschäftigung finden. In ihrer Verzweiflung sagte sie: Schreib doch ein Buch! Und so fing es an. Ich belegte einen Kurs in Amerikanischer Nach-50er-Jahre-Fiction und schrieb mit 19 meinen ersten Roman.

Haben Sie einen Lieblings-Autor?

Ja, Stephen King. Ich glaube, er ist der grösste Autor, den Amerika, vielleicht die Welt, je hervorgebracht hat. Shakespeare hat Theaterstücke und Sonnets geschrieben, King hat Drehbücher, epische Romane, Kurzgeschichten, Novellas, Episoden geschrieben. «The Green Mile» war ein Fortsetzungsroman, wie ihn praktisch seit 150 Jahren niemand mehr geschrieben hat. Er schreibt in der 1. Person, der 3. Person und die Qualität und Authentizität seiner Figuren ist immer erste Klasse. Er verliert die Geschichte nie aus den Augen. Von ihm habe ich mehr übers Schreiben gelernt als von sonst jemandem – ohne ihn je getroffen zu haben.

Wollten Sie ihm diese Bewunderung nicht einmal persönlich mitteilen?

Ich erzähle Ihnen was: Ich war mit «The Notebook» auch in Bangor, Maine auf Buch-Tour und dachte, ich gehe bei ihm vorbei und bringe ihm mein Buch. Die Auffahrt zu seinem Haus war mit einer Kette gesperrt, aber ich dachte, ich bin auf der Bestseller-Liste, ich darf schon darüberklettern und klingeln gehen. Bei der Tür angekommen, steht auf einem Schild «Mr. und Mrs. King empfangen keine unangemeldeten Gäste». Ich stand sicher vier Minuten vor der Tür und wusste nicht, was tun. Plötzlich merkte ich, dass eine Überwachungskamera mir die ganze Zeit zusah. Da legte ich das Buch vor die Tür und ging. Näher bin ich nie an ihn rangekommen.