Zürich

Landesmuseum-Neubau: Eine Arche Noah für die Schweizer Geschichte

Am 1. August eröffnet das Landesmuseum in Zürich seinen Neubau. Architekt Emanuel Christ lud die Medien am Donnerstag zu einem ersten Rundgang. Dabei zeigte sich: Der Neubau in Zürich hat Ecken und Kanten.

Zackig und verwinkelt von den Grundmauern bis zur Dachlinie präsentiert sich das neue Landesmuseum in Zürich. Aber trotz Knicken und Aufwerfungen ist der Betonbau weder klotzig noch abweisend, sondern grosszügig – und er tut dem ganzen Ensemble gut.
Auch wenn der Platzspitz, die Umgebung des Landesmuseums, noch nach Baustelle aussieht: Der Bau ist fertig. Nun beginnt das Einrichten und am 1. August – symbolisch richtig für das Nationalmuseum, wird Eröffnung gefeiert.

Ein Jahrhundertprojekt

Feierlich war es schon gestern. Schliesslich präsentierte man zum ersten Mal dieses «Jahrhundertprojekt». Nicht dem Publikum, aber den Medienleuten. Erleichtert und bewegt zeigte sich vor allem Architekt Emanuel Christ. Er und Christoph Gantenbein hatten 2002 als Anfänger-Büro den Wettbewerb mit ihrem expressiven Projekt überraschend gewonnen. Und allen Bedenken zum Trotz weiterentwickelt und es zu einem durchdachten und imposanten Abschluss gebracht.

Schon seit hundert Jahren forderten die Landesmuseums-Direktoren eine Erweiterung, wusste Markus Notter, Alt-Regierungsrat und Präsident der Museumskommission, zu berichten. «Aber in Zürich dauert alles etwas länger.» Vor sechzehn Jahre packte man das Vorhaben an. Es brauchte die Zustimmung des eidgenössischen Parlaments, zwei Volksabstimmungen (Kanton und Stadt Zürich) und zweimal ein positives Urteil des Bundesgerichtes.

Kühler Beton

Nun sind 111 Millionen Franken verbaut – für «das grösste zivile Bauprojekt des Bundes», wie Hanspeter Winkler, Abteilungsleiter Bundesamt für Bauten und Logistik (BBL), es nennt. Der grössere Teil des Budgets floss in die Sanierung des Altbaus. Auch diese ist, bis auf den Westflügel, abgeschlossen.

Der Neubau aus Beton mit den wenigen, aber neckischen runden Bullaugen von Christ & Gantenbein wirkt wie ein Gegenentwurf zur «Burganlage» mit den Türmchen, trutzigen Mauern und Butzenscheiben (erbaut von Gustav Gull 1898). «Wir haben den Altbau ernst genommen», sagt Christ, die bewegte Dachform ist eine zeitgenössische Antwort auf die Dachlandschaft von Gull.» Und für die Aussenhaut haben die Architekten Tuffpartikel in den Beton gemischt, um den bräunlichen Ton der Tuffsteinmauern aufzunehmen.

«Der gezackte Grundriss ist dem Baumbestand und den Wegführungen im Park geschuldet», sagt Christ. Und dass das Gebäude die Form einer Brücke hat? Das soll Durchblicke zulassen und die Verbindung von Hof und Park sicherstellen. Und ja, der Bau erinnere mit seiner technischen Anmutung vielleicht an ein Schiff, meint Christ. «Man muss ja nicht gerade von einer Arche Noah reden.» Auch wenn das Landesmuseum eigentlich genau diese Aufgabe hat: die Rettung von typischen Dingen für die Nachwelt.

Die eigenwillige Form ist im Innern deutlich erlebbar. Imposant ist die lange Treppe, witzig sind die runden Fenster, die den Blick auf den Altbau oder in den Park, aber auch Orientierung bieten. Glatter grauer Beton an den Wänden, geschliffener Beton als Fussboden: Da wurde sorgfältig und elegant, aber ohne Kinkerlitzchen gebaut. Eine technische Meisterleistung ist nicht nur die Statik, sondern auch dass der Neubau das erste mit Minergie P Eco zertifizierte Museum der Schweiz ist.

Komfort für die Besucher

Endlich bietet das Landesmuseum dem Publikum mehr Komfort und Angebote: ein Studienzentrum, einen Veranstaltungssaal, ein Restaurant (Das «Spitz») und eine grosszügige Eingangshalle. «Richtigerweise in der Achse zum Bahnhof», wie Direktor Andreas Spillmann lobt.

Der Neubau bietet 6100 m² Nutzfläche und 2200 m² flexibel unterteilbare Ausstellungsfläche. Wie ausstellungsdienlich sie sind, sehen wir im August. Dann werden «Archäologie Schweiz» und eine Sonderausstellung über «Europa in der Renaissance» eröffnet.

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