kurzfilm

Keine Chance für langweilige Serien und dröge Filme

Zwei Minuten für eine Videobotschaft

Zwei Minuten für eine Videobotschaft

Die Kurzfilmpräsentation in Aarau bot eine willkommene Abwechslung zu Hollywood und monotonen TV-Serien.

Florian Müller

Die Vielfalt der am Freitagabend gezeigten Filme im «Rostigen Hund» ist unglaublich. Von spontanen Aufnahmen in Städten bis zu professionellen Musikclips mit Drehbuch, von gefilmten Illustrationen zu Gedichten oder Kunstwerken bis zu ganz abstrakten Videos ist alles vorhanden.

Der Verein Blackbox Kunst und Kultur in Aarau bietet Künstlern eine willkommene Plattform, ihre Filme zu zeigen: «Unser Hauptanliegen ist aber die Organisation von zeitgenössischen Kunstausstellungen», erklärt Präsident Fabian Suter.

Zum wiederholten Male lud er Künstler dazu ein, ihm Videos einzusenden. Von den eingegangenen Werken von Filmschaffenden aus der Schweiz, Deutschland und Österreich wurden zweiundzwanzig ausgewählt und dem Publikum in drei Blöcken à 30 Minuten gezeigt.

Ganz anders als Kino

Auch Susanna Brändli sandte zwei Videos ein. Im Film «Basta» zeigt die in Aarau aufgewachsene Videokünstlerin die Davidstatue von Michelangelo in der Galleria dell’Accademia in Florenz, die sich in einen lebendigen Menschen verwandelt. Nachdem die Besucher das Museum verlassen haben, springt «David» vom Sockel und geht – wenn auch etwas erschöpft – in den verdienten Feierabend. Der zweiminütige Film ist zu Ende.

Andere Sprache als Kinofilme

Reichen denn zwei Minuten aus, um eine Botschaft zu übermitteln? Brändli erklärt: «Wir nutzen eine andere Sprache, als es Kinofilme tun, die eine Geschichte haben und von deren Kontinuität leben. Meine Videos sind Experimentalfilme, ich spiele mit dem Bild und der Zeit.»

An der Präsentation trifft Alltägliches auf Aussergewöhnliches, Schönes auf Kurioses: Zu letzterer Kategorie darf man wohl Bruno Steigers Video zählen. Von einer Pariser Brücke aus filmt er Personen auf dem Deck von offenen Schiffen, die auf der Seine vorbeifahren, dies notabene während elf Minuten.

Der Film stellt die Geduld des Publikums auf die Probe und dauert eigentlich so lange, dass das Gezeigte bereits wieder lustig wirkt. Jedenfalls war Organisator Suter plötzlich unsicher, ob er den Film nicht aus Versehen «geloopt» hat. «Eine Ferienwoche in Paris, um Boote zu filmen!», kommentiert ein Besucher das Video von Steiger.

Nächstes Mal im Oktober

Es ist wohl unmöglich, alle präsentierten Kurzfilme ganz zu verstehen. Dies muss das Publikum im «Rostigen Hund» auch nicht. Für jeden ist etwas dabei, Kurz- und Kürzestfilme von zwei bis drei Minuten mit einer klaren Botschaft, aber auch längere Videos von etwas mehr als zehn Minuten, die zum Rätseln anregen.

Wer nun Lust bekommt, sich ebenfalls kreativ zu betätigen und sein eigenes Video einzusenden, kann dies tun: Die nächste Präsentation ist am 22.Oktober 2010 am selben Ort, Eingabefrist ist der 5. Oktober.

Mehr: Blackbox Online

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1