Vielleicht ist ein Musical einfach nicht die geeignete Form, um ein Road-Movie zu interpretieren. Vielleicht ist eine Bühne zu statisch, um eine Strasse zu sein. Vielleicht liegt es auch daran, dass ein Film stille Momente erträgt, ohne Musik, ohne Worte. Ein Musical ist aufgedreht. Will alles auf einmal sein, Musik, Tanz, Theater. Doch Gefühlskino braucht Zeit. Die Musical-Fassung des Til-Schweiger-Films «Knocking on Heaven’s Door» ist misslungen.

Die Geschichte dreht sich um zwei Patienten. Zwei junge Männer und der Krebs, der sie eigentlich schon besiegt hat. Obwohl Rudi Wurlitzer Leukämie hat und Martin Brest einen Tumor im Kopf: Der Tod hat nicht die Oberhand in diesem Stück. Stattdessen setzen sich die beiden in ein gestohlenes Auto, in dem auch noch ein Koffer mit Geld mitfährt. Das verprassen sie in ihrem Lebenshunger; sie saufen, fressen und vögeln.

Ihnen auf der Schliche ist nicht nur die Polizei, sondern auch ein Gangsterduo, dem die beiden das Auto gemopst haben. Henk und Abdul sind im Musical ein Verschnitt zwischen Louis de Funès und einem Balkanwitz. Dem Publikum gefällts. Die Premierenbesucher im Häbse-Theater lachen immer dann, wenn es ein bisschen genital wird

Dann entfremdet sich das Dargebotene auch nicht so sehr von den Raamestiggli eines Mimösli: Ein bisschen Jux, viel Grimasse und eine saftige Zote lautet das Rezept für ein zuweilen deftiges Menü. Das klingt dann so: «Ey, wer hat Curtis’ Nutten zu Killerbräuten mutiert?!» Abduls gebrochenes Deutsch klang zwar auch im Film nicht anders. Doch es sind zwanzig Jahre vergangen, seit ihn Moritz Bleibtreu auf der Leinwand mimte – ein langes Leben für einen Gag.

Regie unter Torschlusspanik

Dass die Basler in den Genuss einer deutschen Musical-Produktion kommen, liegt am Wort Try-Out. So bezeichnen sich Aufführungen, deren Programm vor dem grossen Auftritt in der Metropole in der Peripherie getestet wird. Ein Gehversuch ist «Knockin on Heaven›s Door» auch in zweiter Linie: Es ist die Abschlussarbeit des Studiengangs Musical an der Folkwang Universität Essen. Das Ensemble ist entsprechend jung.

Die Schauspieler wirken zwar nicht in allen Tonlagen gleich sicher, doch das wirkt immer noch sympathisch, ja es verleiht der völlig überzeichneten und gehetzten Geschichte etwas Leben und Nähe zum Betrachter. Denn das Musical krankt am selben wie seine Protagonisten: Es fehlt an Blut, Hirn und Zeit. Das Tempo ist horrend. Banküberfall. Lamento gegen Gott. Dinnerszene. Mutterkonflikt. Dreier im Puff. Korrupte Polizei. Die Liebe einer samuraischwert-schwingenden Einäugigen – zwischen diesen Szenen vergehen kaum Minuten.

Es bleibt keine Luft und als wäre damit nicht genug, vollendet eine sechsköpfige Band mit abrupten Stilwechseln die Reizüberflutung. Nicht nur Rudi und Martin wollten das Leben in allen Facetten auskosten, auch die Regie packte die Torschlusspanik.

Weitere Vorstellungen Bis 2. Juni jeden Abend um 20 Uhr im Häbse Theater Basel.