Literatur

Die Ausrutscher des berühmten Heimatdichters: Neues für die Fans von Johann Peter Hebel

Johann Peter Hebel, Mundartdichter.

Johann Peter Hebel, Mundartdichter.

Die «Baselbieter Heimatblätter» widmen sich dem Werk Johann Heinrich Hebels. Dabei kommen auch antisemitische Ausrutscher zu Tage.

Vor 260 Jahren, am 10. Mai 1760, wurde Johann Peter Hebel in Basel geboren. Die Erinnerung an sein literarisches Schaffen hat seinen Tod bis in unsere Tage auf vielfältige Weise überdauert. Dazu tragen sicher die wiederholten Neuausgaben seiner Werke bei.

Die Neugier auf die Geschichten und Gedichte Hebels wecken aber auch Ausstellungen wie «Breitenstein / Hebel» im Dichter- und Stadtmuseum Liestal. Leider musste das Liestaler Museum wie die anderen Museen auch im Zeichen von Corona vorübergehend die Türen schliessen.

Ab Dienstag ist es nun wieder geöffnet, und die Ausstellung über die beiden Pioniere der Mundartdichtung kann wieder besucht werden. Veranstaltungen sind in den Museumsräumen aber weiterhin nicht möglich. Somit kann auch ein von der Basler Hebelstiftung geplanter Anlass mit literarischen, musikalischen und historischen Beiträgen nicht stattfinden.

Die unerfreulichen Seiten des Hausfreundes

Ganz ohne Glückwünsche zu seinem 260. Geburtstag muss Johann Peter Hebel nicht auskommen. Dafür sorgt ein Schwerpunkt in der eben erschienenen Doppelnummer der «Baselbieter Heimatblätter». Darin geht Hans G. Nutzinger auch auf die «unfreundliche Seite» des «Rheinländischen Hausfreunds» ein. Hebel hat gegen 300 Kalendergeschichten verfasst. Unter ihnen macht Nutzinger einige wenige aus, «in denen Hebel die gewohnte Empathie für seine realen oder erfundenen Akteure abhanden gekommen scheint». Dies trifft insbesondere für Hebels Charakterisierung des Tiroler Freiheitshelden Andreas Hofer im «Calender auf das Jahr 1811» zu.

Nutzinger weist auch auf vier Geschichten hin, in denen Juden zum Opfer ihrer Geldgier werden. Bei diesen Erzählungen handelt es sich um eigentliche Ausrutscher. Denn in seinen übrigen Werken zeigt Hebel Sympathie für die Juden und tritt für ihre staatsbürgerliche Gleichstellung ein. Diese Haltung Hebels wurzelt gemäss Nutzinger «nicht nur in einer allgemeinen menschenrechtlich begründeten Humanität, sondern vor allem in der von ihm eindrucksvoll bejahten Kontinuität des alten Gottesvolkes mit den Juden seiner Zeit».

In einem zweiten Beitrag liefert Nutzinger eine eingehende Besprechung der letztes Jahr im Auftrag der Literarischen Gesellschaft Karlsruhe im Wallstein Verlag erschienenen kommentierten Lese- und Studienausgabe.

Die sechs Bände zeigen uns Hebel nicht nur als Verfasser der Kalendergeschichten und der alemannischen Gedichte. In den Bänden V und VI blicken wir dem Briefschreiber Hebel über die Schulter. Theologisch-kirchliche Texte haben ebenfalls Aufnahme in die Ausgabe gefunden, ebenso erstmals publizierte Exzerpte, die in bunter und ungeordneter Folge alle möglichen theoretischen und praktischen Fragen behandeln und einen Einblick in die Arbeitsweise des Kalendermachers und Pädagogen Hebel am Karlsruher Gymnasium illustre erlauben.

Ein dritter Beitrag zu Hebels Werk und dessen Nachwirkung, verfasst von Dominik Wunderlin, führt uns durch die Welt der illustrierten Hebel-Ausgaben. Hier sticht besonders die heutige Graphic Novels vorwegnehmende Illustration einer Zundelfrieder-Geschichte von Erdmann Wagner ins Auge, die 1876 in der «Illustrierten Welt» veröffentlicht wurde.

Von Wunderlin stammt im Übrigen auch ein ausführlicher Text für den zweiten Schwerpunkt der «Baselbieter Heimatblätter»-Doppelnummer, in dem es um «Fasnachtsverbote, Fasnachtsabsagen und eine Verschiebung» geht.

«Baselbieter Heimatblätter» Bestellung bei der Schaub Medien AG, unter
abo@schaubmedien.ch.

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