Jörg Baumann

Das Freiämter Strohmuseum in Wohlen zügelt in die Villa Isler. Damit ist für die führenden Kräfte im Verein Ortsmuseum Schlössli klar: Aus dem Schlössli, das zwischen dem 12. und 15. Jahrhundert erbaut wurde, wird definitiv kein Museum und, wie immer auch, keine Konkurrenz zum Strohmuseum.

«Die Ortsbürgergemeinde wird sich im Schlössli nicht engagieren können, weil sie sich auf das Strohmuseum konzentrieren muss», sagte der Vereinspräsident, Gemeinderat Urs Kuhn, an der Generalversammlung des Vereins Ortsmuseum Schlössli. Deshalb müsse der Verein «nach neuen Ideen, Trägerschaften und Kooperationen suchen».

Neuer Vereinspräsident gewählt

Urs Kuhn trat an der Versammlung als Vereinspräsident zurück. Die Führungsfunktion im Verein lasse sich mit dem Amt des Gemeinderates nicht vereinbaren, sagte Kuhn. Er werde sich aber weiter kräftig für das Schlössli einsetzen. Zu Kuhns Nachfolger wurde der Historiker und Grafiker Fabian Furter gekürt. Furter ist Mitinhaber der auf Ausstellungs- und Buchprojekte spezialisierten Firma «imRaum» in Wohlen. Er und seine Mitstreiter traten in der Vergangenheit mit mehreren auf die Lokalgeschichte ausgerichteten Veranstaltungen hervor.

Der Schlössli-Verein sei an einen Wendepunkt angelangt, meinte Furter. Das Schlössli könnte allenfalls zu einem Raum für Wechselausstellungen über Wohlen umgebaut werden. Als Antrittsgeschenk erhielt der neue Präsident von Urs Kuhn ein paar alte Kinderschuhe und einen Herrenschuh, die beim Aufräumen im Schlössli gefunden wurden.

Als neues Mitglied wurde der Bezirkslehrer und Historiker Daniel Güntert in den Vorstand gewählt. Güntert führte kürzlich mit seiner Schulklasse rund um das Schlössli ein viel beachtetes Wandertheater auf. Er ist auch als Führer bei den Stadtwanderungen durch Wohlen tätig.

Klar sei, dass das Schlössli der Bevölkerung noch näher gebracht werden müsse. An der Gewerbeausstellung Hagewo 2010 vom 7. bis 10. Oktober soll das Haus kurzfristig zu einer Bar umgebaut werden, in dem die Fastnachtsgruppe «Häxe» ihr Regime aufziehen wird, teilte der Wohler Architekt Urs Müller mit.

Viele Möglichkeiten offen

An mehr oder weniger neuen Ideen, wie man das Schlössli über die Zeit retten und weiterverwenden könnte, scheint es nicht zu fehlen. Die Architekturstudentin Rahel Müller, die derzeit ein Praktikum im Architekturbüro von Urs Müller absolviert, kommt in einer Entwicklungsstudie zum Schluss, dass im Schlössli verschiedene öffentliche und private Nutzungen möglich wären:

Das Haus könnte für Gemeinschaftsräume, als Wohnhaus, als Spielhaus oder als Ausstellungsraum, kombiniert mit einem Magazin für die Exponate, umgebaut werden.

«Am Schlössli sind die Aussenmauern das Wertvollste», betonte Urs Müller. Diese müssten auf jeden Fall erhalten werden. Bei der Innenaufteilung sei man frei. Der Gemeinderat hat bereits dekretiert, dass das Schlössli nicht abgerissen werden darf. Er stellte das Haus unter Ortsbildschutz.

An der Steingasse ist alles im Fluss. Städteplaner machen sich im Rahmen des Masterplanes Gedanken, wie die Steingasse mit Neubauten aufgewertet werden könnte. Dabei müsse der Charakter der Gasse mit ihren lauschigen Vorplätzen und Hinterhöfen erhalten werden, sagte Müller. Auch die Öffnung des zum Teil in Röhren verlegten Guggibaches werde diskutiert.

Genossenschaft aufgelöst

Mit einem erheblichen Aufwand wurde die nur noch auf dem Papier bestehende Genossenschaft Dorfkern aufgelöst. Die Genossenschaft leistete im Ortsbildschutz Pionierarbeit.

Das verbliebene Vermögen ging an den Verein Ortsmuseum Schlössli über. Der Verein wird im nächsten Jahr seine Statuten anpassen und – weg vom Ortsmuseum – auch einen neuen Zweckartikel formulieren müssen.