Mit Buttons mit Inschriften wie «Besuchen Sie die Schweiz! Solange es noch geht» wandeln Schweizer Autoren durch die Hallen der Leipziger Buchmesse. Mit den Buttons reagieren sie auf das Ja zur Masseneinwanderungsinitiative vom 9. Februar. Für Samstag ist zudem eine Veranstaltung mit Texten zum Thema geplant.

«In unserem Verband sind nicht nur Autoren aus den verschiedenen Sprachregionen der Schweiz, sondern aus zahlreichen Kulturen vereint», rechtfertigt der verantwortliche Verband Autorinnen und Autoren Schweiz (AdS) in einer Mitteilung die Aktion.

Der politische Aufschrei ertönt, bevor die Buchmesse ihre Tore überhaupt geöffnet hat. «Als ich von der Aktion gehört habe, war ich sehr enttäuscht», sagt die Thurgauer SVP-Nationalrätin Verena Herzog.

Empört zeigt sich auch Herzogs Berner Partei- und Nationalratskollegin Nadja Pieren: «Sich über einen demokratischen Volksentscheid öffentlich lächerlich zu machen, spricht nicht für unsere Autoren.»

Gemässigtere Stimmen wie der Berner BDP-Ständerat Werner Luginbühl können der Aktion durchaus Positives abgewinnen. Er findet das Ganze zwar «wenig geschickt». Ihm gefalle aber der kämpferische Ton der Button-Botschaften. Ein Wermutstropfen für Luginbühl: «Ich hätte mir gewünscht, die Stimme der Literaten schon im Abstimmungskampf lauter zu hören.»

Wenig zu erfahren ist aus Leipzig selber. «Auftritt Schweiz»-Projektleiter Dani Landolf will sich nicht äussern. Die Kulturstiftung Pro Helvetia, die den Gastauftritt unterstützt und mitfinanziert, bezieht nicht klar Stellung.

SVP-Nationalrätin Verena Herzog bestätigt auf Anfrage: «Wenn das nächste Mal im Parlament Gelder für Pro Helvetia gesprochen werden müssen, könnte die Button-Aktion schon Folgen haben.»

Unbeeindruckt zeigen sich die Autoren. In ihrem auf der Website auftritt-schweiz.ch publizierten Text «Demokratie?» schreibt die aus Ex-Jugoslawien stammende Schweizer Schriftstellerin Melinda Nadj Abonji: «Ja, das letzte Abstimmungsergebnis bedeutetet eine demokratische Katastrophe.»