Opernhaus Zürich

Das Opernhaus Zürich mit guten Zahlen - Basel ist weit abgeschlagen

Zürichs Opernhausintendant Andreas Homoki.

Zürichs Opernhausintendant Andreas Homoki.

Seit der Intendanz von Andreas Homoki ist das Opernhaus Zürich mit Schülern besetzt, ja halb leer? Quatsch! 2014/2015 verzeichnet man 84,3 Prozent Auslastung, 8,9 Mio. Sponsorengeld, 400000 «Gewinn».

Ganz ehrlich: Zahlenakrobatik hin, Subventionsmillionen her: Es ist heute eine Freude, dem aktuellen Leitungsteam des Opernhauses Zürich in einer Bilanzpressekonferenz zu begegnen. Einst, da klagte der trübsalblasende (Ex-SP-Stadtpräsident) Josef Estermann mit theatral sorgenvoller Miene, dass man schon wieder nur eine halbe Million mehr Subventionen erhalten habe und dass das Opernhaus doch das beste der Welt sei und viel, viel mehr Gelder verdienen würde. Vom alsbald folgenden stundenlangen Jammern des Intendanten Alexander Pereira wollen wir gar nicht reden ... Heutzutage geht eine Bilanz-Konferenz flott vor sich – ganz ohne Klagen.

81,44 Millionen Steuergeld

Bei den Zahlen könnte einem schon etwas schwindlig werden. Der Ertrag des Hauses war in der Saison 2014/2015 fast genauso hoch wie jener der Mailänder Scala – dem Riesendampfer der Opernwelt: 128 039 000 Franken!

81,44 Millionen trägt die öffentliche Hand in Zürich dazu bei, immerhin 26 Millionen spielt das Haus selber ein. Unter dem Strich gibt es einen «Gewinn» von 407 000 Franken. Die Eigenwirtschaftlichkeit liegt bei 38,6 Prozent – recht viel, auch wenn sie mal bei 45 Prozent lag. Am Theater Basel sinds gerade mal noch 22,8 Prozent. Höchst bedenklich: Oper und Ballett schafften es am Rhein in der letzten Saison auf 47,7 bis 55,3 Prozent Auslastung. Zürich ist Basel mit einer Opern-Auslastung von 83,7 Prozent und einer Ballett-Auslastung von 87,3 Prozent weit voraus; total mit allen Kindervorstellungen und Konzerten liegt sie bei 84,3.

Gespart wird übrigens auch, und zwar beim Personal, dem grössten Posten: Rund 3,3 Millionen gings im Vergleich zur letzten Saison runter (neu 93,5 Mio.).

Typisch für die Lockerheit des aktuellen Teams: Der kaufmännische Direktor Christian Berner erklärt alles politisch korrekt («Nein, nein, wir sparen nicht bei den Künstlern, Bartoli und Netrebko kommen ja!»). Intendant Andreas Homoki hingegen lässt durchblicken, dass man bei den Sängern und Dirigenten durchaus Geld sparen könne (im übertragenen Sinn sagte er: Warum für Altstars viel bezahlen, wenn es genauso gute aufstrebende – aber billigere – Sänger gibt?).

Auslastung Netrebko? 100 Prozent

Apropos Stars: «Anna Bolena» mit Anna Netrebko war zu 100 Prozent ausgelastet, «Cenerentola» mit Cecilia Bartoli zu
97 Prozent. Mit Superstars verliert man kein Geld. Aber die Frage ist: Wie besetzt Zürich einen «Barbiere di Siviglia», wenn Bartoli nicht singt? Bei Pereira waren es meist vier teure «Stars», jetzt sind das ein gewisser Edgardo Rocha, Levente Molnár, Renato Girolami und Anna Goryachova. Doch auch mit diesen Sängern schafft man in 6 Vorstellungen 82,2 Prozent Auslastung bzw. 5607 Zuschauer. Das ist ok.

Kurz und gut: Nach drei Spielzeiten greift das System Homoki – auch dank Realist Christian Berner. Dass die Besucherfrequenz gesteigert werden konnte, obwohl die Abonnentenzahl leicht abnahm und die Zahlen stimmen, straft jene Lügen, die dauernd von einem halb leeren, bloss mit Schülern gefüllten Haus sprechen. Und ganz erstaunlich: Die Sponsoreneinnahmen sind wieder gestiegen, liegen nun bei 8,92 Millionen.

Rosige Zeiten? Mitnichten! Ab 2016 muss das Opernhaus drei Millionen einsparen, erhält man doch 2 Prozent weniger Subventionen und die Sparbeiträge an die Pensionskasse werden massiv erhöht. Im Risiko-Unternehmen «Oper» keine leichte Aufgabe, wenn man die Leistung halten will. Über den Satz «An der Kunst Abstriche zu machen, können wir uns nicht leisten», den Verwaltungsratspräsident Markus Notter aussprach, kann man nächstes Jahr dennoch diskutieren.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1