Auf Shoppingtour mit Vincent van Gogh

Im Basler Kunstmuseum zieht die Van-Gogh-Sonderausstellung die Besucher in Scharen an. Die meisten gönnen sich zum Abschluss noch ein Souvenir aus dem bunten Angebot des Van-Gogh-Shops.

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Von Daniel Aenishänslin

Zu Lebzeiten veranlasste Vincent van Gogh nur wenige, den Geldbeutel zu zücken. Posthum ist er zum Popstar avanciert, der sogar Bier, Polo-Shirts oder Kinderbücher an den Fan bringt. «Wir erwarten 500 000 Besucher», sagt Dario Galloni, «wenn nur 100 000 davon 20 Franken in unserem Van-Gogh-Shop ausgeben, hat er sich rentiert.»

Galloni ist neben der Buchhandlung im Kunstmuseum nun auch für den temporären Van-Gogh-Shop verantwortlich. Es muss ihm eine wahre Freude sein, zu beobachten, wie sich die Besucherscharen im Foyer der ersten Etage über ihn ergiessen. Shop-Leiterin Katharina Hecker sagt unverblümt: «Wir sind extrem erfolgreich.»

Ob es sich in der Auslage des Van-Gogh-Shops nun um Kitsch handle oder nicht, liege im Auge des Betrachters, sind sich Hecker und Galloni einig. Galloni betont aber: «Die Qualität stimmt auf jeden Fall.» Was Katharina Hecker damit begründet, «dass wir nach der Ausstellung wieder verschwunden sind, also müssen diese Produkte von hoher Qualität sein, damit sich hinterher niemand beschweren muss».

Aus der ganzen Vincent-van-Gogh-Welt stammen die Erinnerungsstücke. «Einiges stammt aus dem Angebot des Van-Gogh-Museums in Amsterdam», sagt Galloni, «Dinge wie Taschen oder Polo-Shirts haben wir aber selbst fertigen lassen.» Gerade rechtzeitig ist auch das Kinderbuch von Co-Kuratorin Nina Zimmer erschienen. Der kleine Emil besucht darin den grossen Vincent.

Am hintersten Tisch, wo Zimmers Kinderbuch neben vielen anderen den Griff zum Portemonnaie provoziert, blättert sich ein alter bekannter durch die Lektüren. Ueli Heiniger, der ehemalige Leiter des «Clubs» im Schweizer Fernsehen, verweilt lange. Vielleicht besuchten schon andere Prominente wie Franco Costanzo, Arthur Cohn oder Francine Jordi den Basler Van-Gogh-Shop. «Kein Kommentar», versprüht Katharina Hecker Diskretion.

Ueli Heiniger nimmt sich Zeit. Doch kauft er weder vom Lavendel noch von den Tapenaden, die auf Van Goghs Zeit in der Provence hindeuten. Er lässt den Strohhut mit dem Schriftzug «Vincent» genauso links liegen wie den Stereoviewer mit Aussicht auf berühmte Sonnenblumen. Noch nicht einmal zur Flasche will er greifen, obwohl der Gerstensaft den Namen «van Ueli» trägt. Ein paar Postkarten liegen dann doch noch drin.

Die Planung des Van-Gogh-Shops soll ein ganzes Jahr gedauert haben. «Dabei war uns sehr wichtig, dass wir nur Produkte verkaufen, die nicht durch Kinderarbeit in der dritten Welt hergestellt wurden», sagt Dario Galloni. Von den vier auf Hochtouren rechnenden Kassen sind drei permanent besetzt. 17 Angestellte bewältigen die Kauflust der hochmotivierten Kundschaft.

«Für uns sind die beiden letzten Wochen vor der Ausstellung sowie die erste Woche während der Ausstellung die anstrengendsten», bekundet Shop-Leiterin Hecker. Sie muss es wissen, denn es ist quasi zu ihrem Fachgebiet geworden, Shops an Sonderausstellungen zu leiten. «Es ist ein wunderschöner Shop geworden», schwärmt sie.

Käme Vincent van Gogh selbst auf einen Besuch vorbei, er würde eines merken: Als Künstler hat der Begründer der modernen Malerei alles richtig gemacht, als Verkäufer hat er versagt.