20 Jahre Lux
20 Jahre und kein bisschen atemlos

«A bout de souffle» von Jean-Luc Godard war der erste Film, den das Kinofoyer Lux 1989 zeigte. Ausser Atem – diesen Eindruck machen die Cinéphilen an ihrem Jubiläumsfest vom letzten Freitag nicht, obwohl der Ansturm auf die Bar gross ist. Auch die ausgestellten Plakate – Sommer- und Winterprogramme umfassen jeweils ein Leitmotiv – zeugen von unermüdlicher Begeisterung für das Lichtspiel.

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Kino Lux

Kino Lux

Anzeiger aus dem Bezirk Affoltern

VON Denise Bohnert

An diesem Abend wird Woody Allens «The purple Rose of Cairo» gezeigt, ein Film im Film, der die Grenze zwischen Leinwand und wirklichem Leben überschreitet, beziehungsweise der tropenbehelmte Filmheld Tom Baxter tut dies. Und zwar mit einer uneingeschränkten Liebeserklärung an seinen treusten Fan, die unglücklich verheiratete junge Frau, die im Kino ihre Sorgen wegträumt. Nicht nur sie ist hingerissen von seinen Worten, seiner naiven aber couragierten Herzoffenheit, auch im K(as)inosaal geht ein Seufzen durch die Reihen. Gerne lässt man sich auf die Fantasiereise von Woody Allen ein: was geschähe wenn ... Der Schluss - kein Happy End - betont die Härte der «Realität», besonders weil da ein Hoffnungsschimmer war und verschwand. Im Saal wird es hell, man ist wieder in seinem eigenen, vergleichsweise erfreulichen «Film», mit vielen bekannten Mitspielenden - heute Morgen schon im Märtkafi angetroffen, gestern bei der Arbeit oder im Zug.

Blechmusik und Tanz

Bläsertöne locken die Anwesenden ins Foyer: Die «Blehmuzik» ist da! Die Performance der zwölfköpfigen mit weissen Filzkappen aller Façon behüteten Formation lädt zum zweiten Teil des Festes. Wie die Rattenfänger von Hameln bringen die Weissgekleideten die Leute zurück in den ummöblierten Saal. Und sobald sie die ersten Stücke spielen, wird getanzt - das Publikum ist wild entschlossen zu festen! Kantons- und Gemeinderätinnen hüpfen da leichtfüssig, Architekten und Sozialarbeiter schwingen Arme und Hüften was das Zeug hält, junge Väter, Grossmütter, Tanzschaffende, Lehrpersonen, Caterer, Künstlerinnen - Filminteressierte querbeet geniessen die schrägen, jazzigen und balkanischen Klänge. Es herrscht ausgelassene Stimmung im etwas kühl beleuchteten, gut gefüllten Kasinosaal.

Treues Publikum

Der Abgang der Band einiges vor Mitternacht beendete die Party etwas abrupt und entliess die Festfreudigen früh in die angebrochene längste Nacht (Winterzeitumstellung). Trotzdem darf das Kinofoyer sein Jubiläum als vollen Erfolg bezeichnen. Es hat sich klar gezeigt, dass das «Lux» ein zahlreiches und buntes Publikum hat, das durch zwei Jahrzehnte treu geblieben ist, was für die ca. 20 Aktiven spricht, die immer wieder (bisher über 400!) sehenswerte Filme ins sonst kinolose Säuliamt bringen.
Nach der französischen Komödie «Bienvenue chez les ch'tis» (29. und 30. Okt.) beginnt die Reihe «Changes - Chances», in der auch ein Kurzfilm der Affoltemer Filmschaffenden Irene Ledermann (29. Nov.) zu sehen sein wird. Infos und Programm unter www.kinolux.ch .