Ticketkauf
Zu modern? Art Basel überforderte mit App und Website

Wer die Art Basel besuchen möchte, löst in der Regel online ein Ticket. Für ältere Gäste eine Herausforderung – aus verschiedenen Gründen.

Mélanie Honegger 1 Kommentar
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So entspannt wie dieser Besucher waren an der Art Basel nicht alle.

So entspannt wie dieser Besucher waren an der Art Basel nicht alle.

Roland Schmid

Der Messebesuch als Odyssee: So schildert Johannes Helbling sein Erlebnis an der diesjährigen Art Basel. Der Grund für die Misere? Der Basler wollte sein Ticket vor Ort kaufen. Und musste schon bald merken, dass das an der wichtigsten Kunstmesse der Welt gar nicht vorgesehen ist.

Eine Kasse war auf dem Messegelände am VIP-Tag weit und breit nicht in Sicht. Als Helbling das Sicherheitspersonal beim Eingang der «Art Unlimited» ansprach, wurde er auf Englisch angewiesen, zur Rundhofhalle zu gehen. Dort mühte sich bereits eine ältere Frau ab, die ein Ticket kaufen wollte. «Nur per Internet», so die Antwort des Personals.

«Tickets primär online»

Was sagt die Art Basel dazu? Gegenüber Helbling entschuldigte man sich via E-Mail, meinte aber auch: «Tickets gibt es primär online zu kaufen.» Anders fällt die offizielle Antwort auf eine Medienanfrage aus. Es habe «an verschiedensten Orten» die Möglichkeit bestanden, physische Tickets zu kaufen, schreibt eine Sprecherin der Art Basel auf Anfrage.

Im Foyer der Halle 1, am Bahnhof SBB, am Badischen Bahnhof sowie bei Basel Tourismus seien Tickets erhältlich gewesen. Die Ticketschalter auf dem Messegelände wurden aber erst für die öffentlichen Publikumstage eingerichtet.

Website nur auf Englisch, Französisch oder Chinesisch

Das Problem beim Online-Kauf: Die Website der Art Basel existiert nur in Englisch, Französisch und Chinesisch. Für deutschsprachige Gäste, die in Englisch und Französisch nicht sattelfest sind, bleibt der Ticketkauf damit eine grosse Herausforderung.

Seitens Art Basel heisst es dazu: «Da sich die Art Basel mit ihren vier Messen an ein insgesamt internationales Publikum richtet, ist die Hauptsprache der Kommunikation Englisch. Dies gilt vor allem für die Website und die Mehrheit der Printprodukte.» Es gebe aber «durchaus Ressourcen» auf Deutsch und Englisch, beispielsweise den Flyer zum öffentlichen Art Parcours.»

«Ohne Einladung hätte ich aufgegeben»

Nicht nur die Website, auch die zugehörige App sorgte dieses Jahr für Probleme. Auch Personen mit besseren Sprachkenntnissen waren offenbar rasch überfordert, der VIP-Einlass funktionierte dieses Jahr nicht reibungslos. «Es scheint, dass die App von Künstlern und nicht von Programmierern gemacht wurde», so eine der Kritiken im App Store, im Original in englischer Sprache.

«Es gibt enorme Wartezeiten und die App ist sehr schwer zu lesen und zu verstehen! Wenn ich keine Einladung gehabt hätte, hätte ich wahrscheinlich einfach aufgegeben und wäre nicht hingegangen.»

Die App als Smalltalk-Thema

Während sich die einen ärgerten, nahmen es die anderen mit Humor: «Im Gespräch mit Museumsbesuchern, die ihre VIP-Karte an der Kasse zeigen müssen, hast du sofort ein Thema zum Plaudern: wie kompliziert die App-Umgebung gebaut ist und wie träge und mühsam die Applikation funktioniert», erzählt ein anderer Gast.

Sein Fazit: «Fortschritt kann sich auch so erklären, dass sich ein einfacher Arbeitsablauf durch die Anwendung neuer Medien zeitlich um ein Mehrfaches aufbläst.»

1 Kommentar
Thomas Zweidler

Bringt die Millionen-subventionierte Messe nicht irgendein Schalter-Container hin, wo man Billette (ja so kann man "Tickets" auch noch nennen) kaufen kann. Ist das schon zuviel verlangt. Es gibt auch Aeltere, Beeinträchtigte oder Unsichere. Was auf der ganzen Welt funktioniert, bringt die Messe BS nicht hin? Aber: Sowieso bald kein Thema mehr. Die Spatzen von den Pariser Dächern zwitschern ja schon sehr laut, das die ART bald in die fanz. Hauptstadt Paris wechselt.....