«Hingucker» Teil 25
Carl Spittelers Nobelpreismedaille verlässt ihren Tresor

Baselbieter Museen stellen sich mit einem Lieblingsstück vor. Diese Woche: das Dichter- und Stadtmuseum Liestal.

Rea Köppel
Drucken
Die Nobelpreismedaille von Carl Spitteler.

Die Nobelpreismedaille von Carl Spitteler.

zvg/Dichter- und Stadtmuseum Liestal

Carl Spittelers Literaturnobelpreismedaille ist ein unschätzbares Highlight der Sammlungen der Stadt Liestal. In den letzten Jahrzehnten wurde sie fast durchgehend im Tresor aufbewahrt. Aufgrund ihres hohen finanziellen wie ideellen Wertes konnte nur eine Kopie der Medaille gezeigt werden – abgesehen vom Spitteler-Jubiläumsjahr 2019, als das Original zum Publikumsmagneten wurde. Mit der Eröffnung der neuen Dauerausstellung des Dichter- und Stadtmuseums Liestal (DISTL) wird die Originalmedaille endlich dauerhaft in einer alarmgesicherten Vitrine ausgestellt.

Das Glanzstück hat einen Durchmesser von 65 mm und ein Gewicht von ca. 200 g. Die Vorderseite jeder Nobelpreismedaille zeigt Alfred Nobels Porträt mit Lebensdaten in römischen Ziffern (1833–1896) und die Gravur «E. Lindberg 1902», die auf den Medailleur Erik Lindberg verweist. Die hier gezeigte Rückseite unterscheidet sich je nach Kategorie des Nobelpreises.

Der Baselbieter hat 1919 den Nobelpreis erhalten

Bei der Literatur zeigt die Medaille eine Muse, die einen schreibenden Jüngling mit dem Lorbeerkranz des Dichters krönt. Neben einem erneuten Verweis auf Lindberg und der Gravur «ACAD» «SUEC» (Königliche Schwedische Akademie) ist hier auch das Horaz-Zitat «Inventas vitam iuvat excoluisse per artes» zu sehen. Das heisst übersetzt ungefähr: Erfindungen verbessern das Leben, das durch die Künste verschönert wird.

Auf dieser Seite wird die Medaille auch personalisiert: Auf einer kleinen Plakette sind Spittelers Name und die Jahreszahl 1919 in römischen Ziffern eingraviert – der Dichter erhielt den Preis zwar im Jahr 1920, jedoch rückwirkend auf das Vorjahr, in dem der Preis nicht vergeben wurde. Er ist deshalb als Literaturpreisträger für das Jahr 1919 registriert.

Carl Spitteler ist nicht nur in Liestal geboren, er hat auch einen Teil seiner Kindheit und Jugend in der Stadt verbracht und ihr in «Meine frühesten Erlebnisse» (1914) und anderen autobiografischen Texten ein Denkmal gesetzt. Den Literaturnobelpreis hat er für sein Epos «Olympischer Frühling» (1900–1906) erhalten, das in etwa 40’000 Versen den Aufstieg und Niedergang einer antiken Göttergeneration beschreibt.

Ein einzigartiges Ausstellungsobjekt

In der Schweiz ist Spitteler auch durch die Rede «Unser Schweizer Standpunkt» bekannt geworden, mit der er im Dezember 1914 die Beibehaltung der Schweizer Neutralität im Ersten Weltkrieg forderte und für mehr Verständnis für die Westschweiz warb.

Spitteler ist der einzige gebürtige Schweizer Literaturnobelpreisträger; der andere Schweizer in diesem auserwählten Kreis, Hermann Hesse, ist eingebürgert worden. Von den Nobelpreisen für Chemie, Physik, Medizin und Frieden sind etliche in die Schweiz gegangen, doch diese Medaillen werden in Privathaushalten oder Institutionen unter Verschluss gehalten. Wahrscheinlich wird Carl Spittelers Nobelpreismedaille die einzige Original-Nobelpreismedaille sein, die in der Schweiz öffentlich zu bewundern ist. Ein glänzender Grund für einen Frühlingsbesuch im Dichter- und Stadtmuseum Liestal!

* Rea Köppel ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am DISTL. Diese Reihe entsteht in Zusammenarbeit mit dem Museumsverbund Baselland. Weitere spannende Museumsobjekte finden Sie im Kulturgüterportal www.kimweb.ch.

Aktuelle Nachrichten