Kultur

Ausstellung «Bruno Murer. In Augen blicken» im Museum im Bellpark Kriens: Ein zeitloser Individualist im Fokus

Das Museum im Bellpark zeigt das Werk des im Herbst verstorbenen Bruno Murer. Seine Energie lebt.

«Ich musste mich anfänglich schützen vor der Malerei; ich konnte die Wirkung von gemalten Bildern oft kaum ertragen.» Diese Äusserung des Schweizer Künstlers Bruno Murer ist nachzulesen in einem Interview, das am 7. Juli 2019 geführt wurde – Hilar Stadler und Ralf Keller, Kuratoren der gestern im Museum im Bellpark Kriens eröffneten Ausstellung «Bruno Murer. In Augen blicken» sprachen mit dem 70-jährigen Künstler im ausgebauten Dachstock seines Hauses in Kriens.

Das Gespräch ist festgehalten im Buch «Bruno Murer – vor Ort», das mit über 280 Abbildungen eine repräsentative Auswahl aus Murers zeichnerischem Schaffen vorstellt und begleitend zur Ausstellung vom Museum veröffentlicht wurde. Auch ist das zwölfminütige Gespräch als Video zu sehen – im Rahmen der Ausstellung im Untergeschoss des Museums im Bellpark Kriens.

Bruno Murer führt seinen Gesprächspartnern gegenüber auch aus, welches Bild ihn unter anderem nachhaltig erschütterte: Er sei bei einem Besuch des Isenheimer Altars in Colmar beim Anblick des Altarbildes von Matthias Grünewald und Niklaus von Hagenau existenziell betroffen gewesen. Das Erforschen solcher Bilderfahrung habe am Anfang seiner künstlerischen Tätigkeit gestanden.

Am 7. September 2019 ist der am 11. Februar 1949 in Beckenried geborene Bruno Murer nach kurzer und schwerer Krankheit verstorben. Die aktuelle Ausstellung im Bellpark ist auf den Weg gebracht worden, noch bevor der Künstler von seiner Krankheit erfahren hat. Hilar Stadler und Ralf Keller betonen bei einem Rundgang durch das Museum kurz vor der Vernissage: «Wir trafen zusammen mit Bruno Murer eine Werkauswahl. Der Künstler ist so in der Ausstellung gegenwärtig.»

«Starke Bilder als Lebenskonzentrat»

Die Ausstellung würdige das langjährige Schaffen dieses Schweizer Künstlers, der seit den 1980er-Jahren konsequent und unbeirrt an einem vielschichtigen Werk gearbeitet habe. Hilar Stadler nennt es sehr anerkennend ein «eigenwilliges Werk»: Bruno Murer habe sich jeder Zeitströmung verwehrt. «Er war ein Individualist, der sich keinem Trend untergeordnet hat.» Die Energie dieses Individualisten füllt nun die Ausstellungsräume des Museums im Bellpark. Murers Ölmalereien auf Holz sind hoch ästhetische Farbexplosionen – ihr Rosa, ihr Gelb, ihr strahlendes Blau leuchten einem ins Auge. «Ihre Intensität fällt einen förmlich an», findet Hilar Stadler, Kurator und Leiter des Museums.

Murers Kunst beruhe auf Selbstwahrnehmung, erklärt Ralf Keller. «Wie wirkt ein Bild im Auge? Wie sieht man?», solche Fragen seien Ausgangspunkt von Murers Schaffen. Ein Schaffen, das sowohl Malereien als auch Zeichnungen umfasst, das mal kubistisch und mal expressionistisch anmutet. Auch ein Teil der Ausstellung sind die «Feldbücher» des Künstlers und früheren Vermessungsingenieurs: In 189 Büchern setzte sich Bruno Murer von 1977 bis 2019 skizzenhaft mit der täglichen Wirklichkeit auseinander.

«Bruno Murer interessierten existenzielle Fragen», erklärt Hilar Stadler, «was bedeutet es, Mensch zu sein?» Im eingangs erwähnten Interview sagt der Künstler auch: «Starke Bilder erscheinen mir immer wie ein Lebenskonzentrat, dem man sich als Betrachter aussetzt. Und die Verdichtung zu einem Lebenskonzentrat meint eben auch, dass Lebensprozesse abgebildet sind und dadurch nachvollziehbar werden. Dies scheint mir ein zentrales Anliegen für eine Malerei, die das Lebendige repräsentieren will.»

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