Kultur

Alice Cooper: «Wer Horror ernst nimmt, versteht Horror nicht»

Alice Cooper spielt auf der Bühne den Bösewicht: «Ich bin bin privat wahrscheinlich das totale Gegenteil von Alice Cooper».

Alice Cooper spielt auf der Bühne den Bösewicht: «Ich bin bin privat wahrscheinlich das totale Gegenteil von Alice Cooper».

Der Ur-Vater des Schock-Rock gibt sein einziges Schweizer Konzert am Riverside Festival in Aarburg.

Andere Musiker in seinem Alter sind längst in Rente. Der 71-jährige Vincent Damon Furnier, besser bekannt als Alice Cooper denkt noch lange nicht daran. Im Gegenteil: Im Frühling war er noch mit Johnny Depp und den Hollywood Vampires unterwegs, jetzt tourt er mit seiner eigenen Band. vor seinem einzigen Schweizer Konzert in Aarburg konnten wir uns mit ihm unterhalten.

Sie sind heute erfolgreicher denn je. Wie erklären Sie sich diesen Erfolg?

Alice Cooper: Es gibt nur noch wenige wirkliche Hard-Rock- Bands, die weltweiten Erfolg haben: AC/DC, Aerosmith, Guns n› Roses, Green Day, Foo Fighters. Wie die Rolling Stones sind wir schon seit über 50 Jahren unterwegs und spielen immer noch Hard-Rock. Damit hören wir nicht auf. Wir machen keine Tanzmusik, keine Disco-Musik, keinen Hip-Hop. Wir stehen für Hard Rock.

Stirbt Hard Rock aus?

Ich weiss nicht was passiert, wenn es all die Bands einmal nicht mehr gibt. Ich hoffe, irgendwo in einer Garage entdecken gerade ein paar Kids den Hard-Rock neu, sodass das Genre weiterleben kann. Aber ich glaube daran, dass es so kommt und dass es Hard Rock immer geben wird.

Was können wir von ihrer Show am Riverside Festival in Aarburg erwarten?

Wir spielen immer alle unsere Hits. Wir bringen sie alle, «School’s Out», «Poison» und «No more Mr. Nice Guy». Und dann haben wir 30 Alben, auf die wir zurückgreifen können, wir füllen die Show mit Songs, bei denen wir wissen, dass sie dem Publikum gefallen. Ausserdem wurde mein Drummer gerade zum besten Schlagzeuger des Rock and Roll gewählt, meine Gitarristin Nita Strauss zur besten weiblichen Gitarristin. Unsere Band besteht nur aus Stars, wenn man die spielen sieht, hauen sie dich um. Sie sind voller Energie.

Haben Sie eine besondere Beziehung zur Schweiz?

Wenn man auf Tour ist, hat man nicht viel Zeit, sich etwas anzusehen. Eine Nacht spielt man in der Schweiz, die nächste in Italien und die übernächste in Frankreich. In der Schweiz haben wir aber schon viele, viele Male gespielt. Wir touren seit 1971, also bestimmt mindestens 20 Mal. In Genf waren wir oft, auch in Zürich. Was ich an der Schweiz irgendwie mag, sind die Uhren. An einem Sonntag in Zürich war ich auf einem Flohmarkt, wo es all die alten Uhren gab. Das war für mich wie Disney Land.

Rock ist ein macho-dominierter Musikstil. Stimmen Sie dieser Aussage zu?

Ich mag keinen soften Rock. Hard Rock muss instinktiv sein. Solche Musik kommt nicht aus dem Kopf, sie kommt von unterhalb der Hüfte. Aber unsere Gitarristin Nita kommt auf die Bühne und spielt dieselben Songs mit der gleichen Hingabe wie wir.

Seit 2011 spielen Gitarristinnen in Ihrer Band. Warum? Spielen sie anders als männliche Gitarristen?

Orianthi, die ab 2011 in meiner Band Gitarre spielte, kannte ich schon, als sie noch bei Michael Jackson war. Ich hatte sie spielen gehört und sie war genauso gut, wenn nicht besser als die meisten Gitarristen, die ich in meiner Band je hatte. Die Geschlechterfrage hat sich mir damals gar nicht gestellt. Ich sah sie als Gitarristin und sie war genau die Gitarristin, die meine Band damals brauchte.

Wie sind Sie auf Nita Strauss, Ihre aktuelle Gitarristin gekommen?

Als Orianthi uns 2014 verliess, um selbst Karriere zu machen, habe jemanden gesucht, die das Shredding beherrscht. Diese ultraschnelle Gitarrentechnik, die Eddie Van Halen oder Steve Vai prägten. Die Beste war Nita Strauss. Sie rockt die Bühne wie keine Andere. Das Publikum liebt sie und sie passt perfekt zu uns.

Ihre Horror-Show ist ein Schauspiel mit moralischem Hintergrund. Was ist die Botschaft?

Ich finde, Horror hat etwas sehr Interessantes an sich. Horror und Comedy sind nahe beieinander, stecken sozusagen unter einer Decke. Ich denke, dass es in jedem Horrorfilm eine gewisse Lächerlichkeit gibt, über die man lachen kann. Wer Horror ernst nimmt, versteht Horror nicht. Es ist, wie wenn man Achterbahn fährt. Man weiss, dass man sich fürchten wird, gleichzeitig ist man sicher, dass man unversehrt rauskommt. Dasselbe macht auch ein Horrorfilm. Ich mache Horror in erster Linie, weil das Publikum einen Bösewicht sucht. Mir macht es nichts aus, diesen Bösewicht zu spielen, solange die Musik und die Show stimmen. Es ist, als würde ich Zorro oder Jack the Ripper spielen. Am Ende soll aber auch jeder verstehen, dass dieser Charakter, Alice Cooper nur eine Rolle ist, die ich spiele.

Aber wieviel Alice Cooper steckt in Ihnen?

Er ist eine komplett andere Person. Ich bin nicht Alice Cooper. Ist die Show vorbei, lege ich die Rolle ab. Ich bin privat wahrscheinlich das totale Gegenteil von Alice Cooper.

Seit Jahren ist das Highlight ihrer Show die Guillotine. Wie viele Male haben Sie in Ihrer Karriere bereits den Kopf verloren?

Ha! Ich würde sagen schon über 5000 Mal. Und jedes Mal, wenn man den Kopf in diese Guillotine hält, weiss man: Diese Klinge wiegt 40 Pfund und ist nicht aus Gummi, sondern aus Metall. Natürlich ist es ein Trick, aber es ist trotzdem ziemlich beängstigend. Und man sollte den Trick besser richtig machen.

Was ist Ihr grösster Albtraum als Privatperson?

Ich hasse es, Aufzüge zu benutzen. Wenn er stecken bliebe, auch nur für einige Minuten, würde ich extrem klaustrophobisch. Ebenfalls habe ich Angst vor Nadeln, ich habe kein einziges Tattoo und ich hasse Bluttests. Alles, was mit Nadeln zu tun hat. Das sind meine beiden grössten Ängste.

Sie waren früher Alkoholiker. Wie haben Sie es geschafft, mit dem Trinken aufzuhören?

Es gab eine Zeit, in den 70er-Jahren, da trank ich und konsumierte Drogen. Ich wusste nicht, wo ich begann und Alice aufhörte. Ich befand mich in einer Grauzone, wusste nicht, welcher von beiden ich bin. Ich musste lernen, mich von Alice Cooper zu trennen. So bleibe ich bei Verstand. Auf diese Weise kam ich auch von Alkohol und Drogen weg.

Sie singen auch bei den Hollywood Vampires mit Johnny Depp an der Gitarre. Wie ist er so?

Ich habe im Frühling jeden Tag mindestens acht bis zehn Stunden mit Johnny Depp zusammengearbeitet. Die Leute sind überrascht, wenn sie ihn Gitarre spielen hören, er steht anderen Gitarristen in nichts nach. Er hat schon Musik gemacht, bevor er Schauspieler wurde. Wir behandeln ihn auch wie einen Musiker und Gitarristen. Dazu ist er ist einer der nettesten Typen, die es gibt. 90 Prozent von dem, was über Johnny in der Presse steht, ist überhaupt nicht wahr. Er ist sehr freundlich und verbringt mit uns viel Zeit. Alle sind überrascht, wie freundlich er ist.

Autor

Stefan Künzli

Stefan Künzli

Autor

Alice Guldimann

Alice Guldimann

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