The Crown

Ab Sonntag ist Prinzessin Diana zurück! Auch Margaret Thatcher ist in den neuen Folgen von «The Crown» zu sehen

Erst gerade hatte Emma Corrin in «Misbehaviour» ihr Kinodebüt, nun macht sie in «The Crown» eine glaubhafte Entwicklung vom verliebten Teenager zur unglücklichen Princess of Wales durch.

Erst gerade hatte Emma Corrin in «Misbehaviour» ihr Kinodebüt, nun macht sie in «The Crown» eine glaubhafte Entwicklung vom verliebten Teenager zur unglücklichen Princess of Wales durch.

«The Crown» ist in den 1980er-Jahren angelangt: Am Sonntag startet die vierte Staffel, in der sich vieles, aber nicht alles um Diana dreht.

So bringt es Prinz ­Philip (Tobias Menzies) in der letzten Episode der neuen, vierten Staffel der Netflix-Serie «The Crown» auf den Punkt. «Alle, bis auf eine Person.» Der Schwiegervater kann Diana doch noch überzeugen, fürs weihnachtliche Familienfoto zu posieren, obwohl der Haussegen schief hängt. Alle sind sie kleinere und grössere Zahnräder im Getriebe, die die Maschine Monarchie am Laufen halten. Laufen die Rädchen nicht rund, gerät sie ins Stocken.

Mit Lady Di und Premierministerin Margaret Thatcher treten zwei neue Figuren auf den Plan, die nicht nur beim Publikum hohe Erwartungen schürten, sondern die britischen Royals und diese eine Person, die Königin, vor nie da gewesene Herausforderungen stellen. Gillian Andersons Darstellung der Iron Lady hält man anfänglich für überzeichnet. Aber ihre Interpretation dieser umstrittenen Persönlichkeit ist kohärent.

© Keystone/Netflix

Früher oder später akzeptiert man sie nicht nur als Maggie Thatcher, sondern sie wird für Elizabeth II (Olivia Colman) zum echten Spar­rings­part­ner. Ihre Unterredungen mit der Queen gehören zu den Höhepunkten und gipfeln im Machtkampf, wie mit dem Apartheidsregime in Südafrika zu verfahren sei.

«Es ist alles eine ­Familienkrankheit, oder?»

Was man an dieser Serie bisher so geschätzt hat, nämlich wie Drehbuchautor Peter Morgan historische Ereignisse zu den Royals in Verbindung setzt, gerät in der neuen Staffel notgedrungen etwas in den Hintergrund. Im Mittelpunkt steht die Beziehung von Prinz Charles (Josh O’Connor) und Diana Spencer (Newcomerin Emma Corrin macht einen guten Job), und man verbringt in den ersten beiden Episoden viel Zeit damit, den Royals beim Jagen zuzusehen – die Jagd wird zur augenfälligen Metapher der ganzen Staffel.

Doch eigentlich geht es in Folge 1 um die Ermordung von Lord Mountbatten durch die IRA. Da sieht man ein paar Demonstranten auf Londons Strassen und hört die Attentäter auf der Tonspur, aber die Episode wird dem Konflikt in keiner Art und Weise gerecht.

Am besten ist die vierte Staffel im Mittelteil. In Episode 5 geht «The Crown» endlich einmal hinaus ins «Volk». Zu Menschen, die Ska hören, im Pub ein Bier trinken und in den finstersten Ecken Londons hausen. Michael Fagan ist so einer. Fagan will ­seine Kritik an Thatchers Politik (Falklandkrieg) gegenüber einem Volksvertreter äussern, blitzt aber überall ab.

In der Folge steigt er zweimal in den Buckingham Palace ein. Die Zeitungen waren damals, 1982, voll davon. Sein fiktives Gespräch mit der Königin in deren Schlafzimmer dringt wohl zu einem wahrhaftigen Kern vor: Es fällt der Queen leichter, diesem einfachen Untertanen Verständnis entgegenzubringen als ihren privilegierten Kindern.

Eifersüchteleien, Rivalitäten, Eitelkeiten versus unerschütterliches Pflichtgefühl. Prinzessin Margaret (grandios: Helena Bonham Carter), die immer noch mit ihrer Rolle als Zweitgeborene hadert und unter Depressionen leidet, sagt in einem Schlüsselmoment:

Die Figuren sind komplex und widersprüchlich wie nie zuvor, sodass man sich schlecht auf eine Seite schlagen kann. Das ist das Gute an dieser vierten Staffel, die einen, je näher sie der jüngeren Vergangenheit kommt, desto mehr in die unangenehme Position des Voyeurs versetzt. Letztendlich ist «The Crown» eine Seifenoper, wenn auch eine sehr gute. In der fünften Staffel mit komplett ausgewechseltem Personal dürfte sich dieses Gefühl noch verstärken. Wie wir schon wissen, gerät die Maschine arg ins Schleudern.

Meistgesehen

Artboard 1