Progressive Rock
Comeback von Porcupine Tree: Steven Wilson, der verlorene Sohn ist zurück

Dreizehn Jahre nach der Auflösung hat der englische Musiker Steven Wilson seine Band Porcupine Tree reaktiviert. Sie tönt, wie wenn sie nie weg gewesen wäre.

Stefan Künzli
Drucken
Steven Wilson und Porcupine Tree am Heitere Open Air 2003 in Zofingen

Steven Wilson und Porcupine Tree am Heitere Open Air 2003 in Zofingen

Rolf Jenni / KUL

Der englische Sänger, Gitarrist und Komponist Steven Wilson hat mit seiner 1987 gegründeten Band Porcupine Tree den etwas in die Jahre gekommenen Progressive Rock erneuert und in weiten Kreisen wieder salonfähig gemacht. Nach Startschwierigkeiten wurde die Band immer erfolgreicher – doch dann war plötzlich Schluss.

Auf dem Höhepunkt des Erfolgs löste sich Porcupine Tree überraschend auf. Mastermind Steven Wilson verfolgte darauf eine Solokarriere, entfernte sich dabei weit vom Genre des Progressiven und griff tief in die Popkiste. Auf seinem letztjährigen Album «The Future Bites» setzt er auf atmosphärische Elektroniksounds und funkige Rhythmen. Das missfiel vielen in der eingefleischten Prog-Gemeinde, doch kommerziell zahlte sich der Abstecher in die gefälligeren Popgefilde aus. Seine Soloalben klassierten sich regelmässig in den Top Ten.

Zwischen Aggressivität und Melancholie

Doch jetzt hat sich Porcupine Tree zurückgemeldet und klingt so, wie wenn die Band nie weg gewesen wäre. Auf «Closure/Continuation» hat Wilson auf Stücke zurückgegriffen, die sich schon lange auf seiner Festplatte befanden. Dazu kam eine Reihe von Songs, die stark von den Ereignissen der letzten Jahre, von Krisen und Katastrophen inspiriert sind. Porcupine Tree Ausgabe 2022 ist mit den bewährten Musikern Gavin Harrison (Schlagzeug) und Richard Barbieri (Keyboard) auf ein Trio reduziert. Doch Wilson setzt auf die alten Werte der Band zwischen Aggressivität und Melancholie: Knallharte Riffs, knüppeldicke Bassläufe, vertrackte Rhythmen, weite Keyboardflächen, Anleihen bei Metal und Psychedelic und versöhnliche Gesangslinien, die zu himmlischen Chören aufsteigen können.

Das Comeback-Album fühle sich an wie eine Weiterentwicklung von Porcupine Tree, liess Wilson den «Rolling Stone» wissen. Für uns knüpft das Comeback aber vielmehr punktgenau dort an, wo die Band vor dreizehn Jahren aufgehört hat. Vor allem ist «Closure/Continuation» die grosse Versöhnung von Steven Wilson mit den Fans des Progressive Rock.

Porcupine Tree: Closure/Continuation (Sony). Erscheint am 24. Juni. Live: 9. Nov., Halle 622, Zürich.