Der nette Weinbauer aus der Romandie, der kantige Staatsrat aus dem Tessin und ein Deutschschweizer Zauberlehrling: So muss man das Dreier-Ticket der SVP zusammenfassen, das diese für die Gesamterneuerungswahlen des Bundesrats vom 9. Dezember präsentiert.

Formell macht die Partei alles richtig: Wie von der Konkurrenz gefordert, bietet sie eine Auswahl. Es ist unredlich, der SVP jetzt vorzuwerfen, diese Auswahl sei unecht, nur weil einem der eine oder andere Name auf dem Ticket nicht passt. Spitzfindig ist auch der Verweis darauf, dass Norman Gobbi eigentlich der Lega angehört. Längst ist klar, dass die Tessiner Rechtspopulisten in den Kernthemen vollumfänglich auf SVP-Linie politisieren.

Stutzig macht höchstens die Begründung, die Fraktionschef Adrian Amstutz mitgeliefert hat: Die Partei wolle nebst Ueli Maurer am liebsten mit einem Romand oder einem Tessiner im Bundesrat vertreten sein. Warum in diesem Fall der Zuger Nationalrat Thomas Aeschi trotzdem auf dem Ticket landet, leuchtet nicht ein.

Oder etwa doch? Es ist längst ein offenes Geheimnis: Aeschi ist Blochers Zauberlehrling, jung, talentiert und stramm rechts. Der Toni Brunner der Innerschweiz. Ihm sollen, so Blochers Kalkül, zwei ernsthafte, aber nicht mehrheitsfähige Kandidaten aus der lateinischen Schweiz zur Seite gestellt werden.

Ob die Rechnung aufgeht? Bis zum 9. Dezember dauert es noch lange. Fast niemand im Bundeshaus hat bereits eine gefestigte Meinung. Je nach dem, wen man fragt, hört man etwas anderes. Entscheidend wird der Auftritt der Papabili in den Hearings sein und – natürlich – die Strategie der einzelnen Fraktionen. Nimmt man die gestrige Pressekonferenz zum Gradmesser, hat Norman Gobbi am meisten Potenzial. Neben dem wuchtigen Tessiner wirkte Parmelin noch braver und Aeschi noch bubenhafter als sonst.

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