Kommentar

Zivilstand: Getrennt

Der Kanton hat einen Grossteil seiner Aktien am Energiekonzern Alpiq verkauft.

Der Kanton hat einen Grossteil seiner Aktien am Energiekonzern Alpiq verkauft.

Seit Anfang der 60er-Jahre hält der Kanton Solothurn Anteile an der Atel-Gruppe, der Vorläuferunternehmung der Alpiq Holding AG. Nun verkauft der Staat den Hauptharst seiner Aktien.

Die Beziehung ist eine lange. Und lange waren die beiden praktisch eins: der Kanton Solothurn und der Energiekonzern Alpiq. Der eine tat nichts, was den andern hätte stören können. Dafür sorgten auch enge personelle und politische Verbandelungen, etwa indem über Jahrzehnte hinweg immer ein Regierungsrat – unter anderen wars auch ein gewisser Willi Ritschard – im Atel-Verwaltungsrat sass. Da konnten kritische Linke noch so oft und laut den Ausstieg fordern:

Die Liebe war umso unverbrüchlicher, als sie stets auch mit üppigen Steuergeldflüssen versüsst worden war.

Doch die Umwälzungen auf dem nationalen und internationalen Energiemarkt blieben nicht ohne Folgen: Aus der reichen Partnerin Alpiq wurde zusehends ein bedürftiges Anhängsel, das eher Last denn Lust bedeutete. So hat der Kanton vor einem Jahr – nach dem Ausstieg der französischen Alpiq-Grossaktionärin EDF – zwar noch einen neuen Aktionärsbindungsvertrag über 15 Jahre unterzeichnet. Doch von ewiger Liebe war da schon längst keine Rede mehr: Man behielt sich ausdrücklich vor, die Vernunftehe bei erster Gelegenheit aufzulösen und die Alpiq-Aktien zu verkaufen.

Genau dies hat der Regierungsrat nun beschlossen – inklusive Verzicht auf einen Verwaltungsratssitz. Der Zivilstand lautet fortan: getrennt.

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass nun ausgerechnet der Markt regelt, was Politiker des linken Lagers früher immer und immer wieder vergeblich gefordert hatten.

urs.mathys@chmedia.ch

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Urs Mathys

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