Swatch-Werk

Uhren bleiben begehrenswert

Aus ETA wird «R.W».

Aus ETA wird «R.W».

Die Swatch-Fabrik in Grenchen hat einen neuen Namen. Es heisst «Rubattel & Weyermann».

Je mehr Leute auf der Welt dem Mittelstand (in ihrem jeweiligen Land) angehören, desto mehr können sich ein Schmuckstück am Handgelenk leisten, das mehr ist als ein Zeitmesser. Dies zeigt sich darin, dass der Durchschnittspreis der exportierten Uhren laufend steigt.

Der beispiellose Wiederaufstieg der mechanischen Armbanduhr in den letzten 15 Jahren zeugt davon. Zwar ist die Branche, da sie Luxusgüter herstellt, grossen konjunkturellen Schwankungen ausgeliefert, aber eine mechanische Uhr ist als kunsthandwerkliches Objekt für viele Menschen ein Faszinosum: Sie kommt dem Perpetuum Mobile nahe (sie nimmt als Automatikuhr ihre Energie aus der menschlichen Bewegung im Gravitationsfeld der Erde), sie schlägt wie ein Herz, ist beinahe etwas Organisches. Diese Sicht ist besonders in Asien viel verbreiteter als im Westen.

Dem Zifferblatt, dem Gesicht der Uhr, ein edles «Antlitz» zu verleihen, das ist die Expertise der Leute von «Rubattel et Weyermann», die jetzt in der Grenchner Zifferblattfabrik das Zepter auch nach aussen sichtbar übernommen haben. Notabene ist es auch ein Betrieb der Swatch Group. Es spiegelt sich darin der Trend zu edleren Materialien und Exklusivität. ETA-seitig kommt das Know-how dazu, dieses Wissen zu industrialisieren mit der modernen Infrastruktur der auf Volumen ausgerichteten Zifferblattfabrik.

So gesehen, ist die Umfirmierung an der Flughafenstrasse eine Folge der von der Swatch Group vorangetriebenen Vertikalisierung der Wertschöpfung. Kleinere Uhrenmarken und Zulieferer müssen sich künftig noch wärmer anziehen, wie auch der Verkauf der Estima kürzlich gezeigt hat.

Wer hat, dem wird gegeben. Auch wenn der Aktienkurs das zurzeit nicht widerspiegelt, die Swatch Group wird hier wohl zu den Gewinnern gehören. Sie hat die Marketing-Potenz, diese Produkte global noch begehrenswerter zu machen. Denn für den neuen Mittelstand ist auch eine Mido, Rado oder eine Certina eine Luxusuhr.

andreas.toggweiler@schweizamwochenende.ch

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