Persönlich

Sei mal still!

Man muss auch zuhören können. (Archiv)

Man muss auch zuhören können. (Archiv)

Was waren Sie für ein Kind? Wurden Sie öfters mit «Sei mal still!» unterbrochen? Oder hiess es regelmässig: «Sag doch mal was!»? Bei mir trifft Letzteres zu. Auch später hörte ich: «Sei nicht so schüchtern». Oder: «Sie ist halt eine Ruhige» – während ich still daneben sass. Bis ich das Gefühl hatte, dass es wohl besser wäre, auf jede Aussage meiner Mitmenschen irgendetwas zu erwidern. Angewöhnt habe ich mir das aber nicht. Zum Glück. Zwei gute Freundinnen sagten mir kürzlich, sie schätzten, dass ich gut zuhören könne – ohne meinen Senf dazu geben zu müssen. Das könnten nicht alle. Ha!

Beispiele gibt es viele. Sei das an (virtuellen) Sitzungen, wenn jemand ein Thema vorstellt und in der Hälfte von zwei anderen Teilnehmenden unterbrochen wird. Oder im Privaten, wenn der eine Sorgen äussert und die andere das Gesagte mit einem Schwall eigener Lebenserfahrung überflutet.

Gerade jetzt, da viele verschiedenste Sorgen haben und wir nicht immer wissen, was wir sagen sollten, dürften unsere Aufmerksamkeit eher auf unsere Mitmenschen lenken, anstatt auf das, wir als Nächstes von uns geben könnten. Ich mache das mittlerweile ohne schlechtes Gewissen. Also – anstatt zu reden, ohne etwas zu sagen: einfach mal still sein. (Gilt in vielen Bereichen. Das ist alles, was ich darüber sagen kann.)

noelle.karpf@chmedia.ch

Meistgesehen

Artboard 1