Persönlich

Schulfernsehen mit Fortsetzung

Ein Moderator erklärte uns am Sonntagabend vom Dach des Fernsehhauses herab, wie der «Windchill-Effekt» funktioniert. (Symbolbild)

Ein Moderator erklärte uns am Sonntagabend vom Dach des Fernsehhauses herab, wie der «Windchill-Effekt» funktioniert. (Symbolbild)

Meine Güte, da schreibt man sich die Finger wund für vermeintlich unverzichtbare politische Beiträge – das Echo ist, ausserhalb der Kaste, in der Regel vergleichsweise bescheiden. Wehe aber dem, der in die Tasten greift und sich mit der Wettersendung des Staatsfernsehens befasst. Zur Erinnerung: Ein Moderator erklärte uns am Sonntagabend vom Dach des Fernsehhauses herab, wie der «Windchill-Effekt» funktioniert. In Kürze: Ziehen Sie sich warm an und berücksichtigen Sie, wie es um Ihre Leibesfülle steht – diese spielt eine Rolle, wenn es um die Windabwehr geht.

So weit, so gut. Wir schätzen diesen Service public sehr. Und sind auch dankbar für die Belehrungen, die an die Zeiten des Schulfernsehens erinnern. Doch die nicht repräsentative Auswertung der Rückmeldungen auf die Ausführungen in dieser Spalte beweisen: Die Empfindlichkeiten des Publikums sind grösser als jeder «Windchill». Ja, da brechen wahrhaft Dämme, die erahnen lassen, dass belangloses Wettergedöns etwa gleich schlimm ist wie der Bekleidungstipp im Tiefwinter oder im Hochsommer. Ein älterer Leser meinte am Telefon knapp: «Wenn das so weitergeht auf dem TV-Dach, mache ich es wie die Zürcher Autonomen 1981, die ins Studio eindrangen und die von Léon Huber moderierte Sendung störten. Einige von uns erinnern sich: «Freedom and Sunshine for Giorgio Bellini», skandierten sie. Wir lachten beide und kamen unisono zum Schluss: Solange in Zürich die Sonne scheint, ist alles gut.

Meistgesehen

Artboard 1