Persönlich

Rodins «Denker»

Auguste Rodin's Werk «Der Denker»

Auguste Rodin's Werk «Der Denker»

Bald jedes Kind kennt zumindest die eine Skulptur des französischen Bildhauers Auguste Rodin. Exakt: jene des «Denkers» nämlich. Ich konnte mit der dargestellten Pose nie viel anfangen, bis auf den heutigen Tag nicht. Und jetzt komme ich gar zum Schluss: Rodins Schöpfung ist passé. Denn die Hand des «Denker» kommt dessen Gesicht nahe. Ein Fauxpas sondergleichen in der heutigen Zeit, in der das Tragen von Gesichtsmasken und Distanz zum andern so nach und nach zum Katechismus der Neuzeit gehören und rumfummeln im Gesicht zur schieren Sünde wird.

Nun, ich werde leben können mit dem Schicksal des «Denkers». Ich habe mich, so bin ich mir fast sicher, nie in Denkerpose ablichten lassen oder gezeigt. Nicht etwa aus falscher Bescheidenheit, bewahre. Es wär’ einfach eine Lüge gewesen. Um der Pose gerecht zu werden, hätte ich mehr denken müssen. Chance verpasst.

Nur schwer leben können werde ich dagegen mit Gesichtsmasken und der Distanz zum andern. Von beiden, so fürchte ich, werde ich noch lange begleitet sein. Sehr zu meinem Missfallen. Aber ich sehe ein: Mein innerer Widerstand ist sinnlos, er ist nichts anderes als verpuffte Kraft. Ich werde mich wohl dreinschicken oder zumindest mal nachdenken müssen. Nicht wahr, Rodin?

urs.huber@chmedia.ch

Autor

urs huber

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