Jetzt habe ich es doch noch geschafft: In der ersten Februarwoche habe ich meinen Weihnachtsbaum entsorgt. Meinen allerersten eigenen Christbaum. Was vielleicht der Grund dafür war, weshalb ich mich Anfang Januar noch nicht dazu überwinden konnte, die kleine Tanne den dritten Stock hinunter und durch die Altstadt zu tragen und zu entsorgen. Das erste Bäumchen; da ist man schon stolz drauf. Ebenso auf alles andere, was die Wohnung schmückt – und zum eigenen Deko-Vorrat gehört und nicht mehr aus Mutters Weihnachtsschmuck-Kiste stammt.

So habe ich bis zuletzt versucht, noch ein bisschen daran festzuhalten. Nur schrittweise habe ich mich von den Dingen getrennt, die in der dunklen Zeit für ein bisschen Aufheiterung gesorgt haben. Zuerst von den Christbaumkugeln. Dann brannten bis Ende Januar nach und nach die letzten Adventskerzen hinunter, und die letzten Mailänderli verschwanden Stück für Stück aus der Guetzlidose. Und zuletzt musste eben der Tannenbaum dranglauben, über den man mittlerweile nicht mehr singen konnte «wie grün sind deine Blätter».

Vorbei mit Weihnachten. Also fast. Da wäre nur noch das letzte Päckli, das den Weg zur zu beschenkenden Person noch immer nicht gefunden hat und jetzt einsam auf der Decke liegt, wo erst vor kurzem noch das Christbäumchen draufstand. Nicht mehr schön versteckt unter dem Nadelkleid – dafür mitten im trockenen Nadelhaufen. Ach ja; die Nadeln erinnern ja auch noch an das Fest. Die sind nämlich bei der kleinsten Berührung zuhauf vom halb toten Bäumchen gefallen. Nicht nur in der Wohnung. Auch im ganzen Treppenhaus. Und im ganzen Hauseingang. Und wahrscheinlich führt eine richtige Nadel-Spur durch die ganze Solothurner Altstadt bis zur Entsorgungsstelle für die Grünabfuhr. Schöne Bescherung.

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