Persönlich

Nur eine Grippe

Donald Trump wurde anfangs Oktober positiv auf Corona getestet. (Archivbild)

Donald Trump wurde anfangs Oktober positiv auf Corona getestet. (Archivbild)

«Der Herrgott hat mich noch nicht gewollt», stellte einmal eine Bekannte ebenso dankbar wie nüchtern fest. Sie hatte sich soeben überraschend schnell und gut von einer schweren Krankheit erholt. «Der Herrgott will ihn nicht», dachte ich spontan, als ich hörte, wie scheinbar locker und rasch der mächtigste Mann der Welt von einer Ansteckung mit dem Coronavirus genesen ist. Ganz nach dem Motto «Was ihn nicht umbringt, ...»

Trump wäre nicht Trump, wenn er jetzt nicht erneut behaupten würde, eine Covid-19-Erkrankung sei nichts anderes als eine «Grippe». Das kann einer getrost behaupten, der nach ersten Symptomen mit dem Präsidentenhubschrauber ins Spital geflogen worden ist, wo er in der Präsidentensuite nicht nur vom Präsidentenleibarzt, sondern von Heerscharen von Ärzten und Pflegenden betreut wurde.

Trumps «Grippeerkrankung» – samt darum herum inszenierter Show und Panzerlimousinen-Rundfahrt vor Fans – dürfte etliche Millionen Dollar gekostet haben. Geld, das im maroden US-Gesundheitssystem – zumindest für Normalbürger – an allen Ecken und Enden fehlt. Allein ein rundes Dutzend Mediziner hat den Leibarzt bei dessen Medienkonferenzen zum präsidialen Zustand jeweils flankiert. Man stelle sich vor, wie viel Nützliches diese Leute in dieser Zeit wenigstens für ein paar der Hunderttausenden kranker Menschen hätten tun können.

urs.mathys@chmedia.ch

Autor

Urs Mathys

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