Persönlich

Mit den eigenen Augen sehen

Der neue Eppenberg-Tunnel wird mit dem Fahrplanwechsel am 13. Dezember offiziell in Betrieb genommen. (Archivbild)

Der neue Eppenberg-Tunnel wird mit dem Fahrplanwechsel am 13. Dezember offiziell in Betrieb genommen. (Archivbild)

Regelmässig erfasst mich ein leichter Schrecken, wenn ich nach kaum zwei Minuten Zugfahrt gewahr werde, dass draussen vor dem Fenster etwas nicht so ist, wie ich es mir gewohnt bin. So wiederholt geschehen bei der noch nicht im Gedächtnis abgespeicherten Fahrt durch den wenig spektakulären, aber immerhin neuen Eppenberg-Tunnel.

Das Interessante dabei ist: Es braucht nicht bewusstes Hinausschauen, um zu merken, dass etwas nicht so ist, wie es war. Es reicht der schiere Eindruck, es habe sich etwas scheinbar unmerklich verändert. Was insofern erstaunlich ist, als wir sonst doch gern sagen: «Was ich nicht mit eigenen Augen gesehen habe ...» Offenbar haben wir viel mehr Antennen, als wir uns selber zutrauen.

Gut so, doch es wäre schön, wir führen diese nicht bloss bei der Fahrt durch den Eppenbergtunnel (oder ein anderes Gewölbe) aus. Ich bin sicher, wir bekämen viel, viel mehr mit von der Welt und den Menschen, wenn wir uns nicht immer nur auf das konzentrierten, was sich uns im Frontalblick darbietet. Vielleicht reichte aber auch schon die Erkenntnis von Blaise Pascal aus, um mehr als das Offensichtliche mitzubekommen: Nicht was wir sehen, wohl aber wie wir sehen, bestimmt den Wert des Geschehenen.» Oder Gesehenen.

balz.bruder@chmedia.ch

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Balz Bruder

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