Persönlich

Gehäkelt und gestrickt

Der Mund- und Nasenschutz ist auf dem besten Weg, ein modisches Accessoire zu werden.

Der Mund- und Nasenschutz ist auf dem besten Weg, ein modisches Accessoire zu werden.

Die Realität ist diese: Man findet sich auf dem Perron ein, kramt die Maske aus der Tasche, stülpt sich das Textil über Nase und Kinn – und steigt mehr oder weniger frohgemut in den Zug. Schneller als gedacht habe ich auch das gelernt, ja, schon fast verinnerlicht habe ich die Prozedur.

Wie viele andere auch, die sich ins Unvermeidliche schicken, das so schlimm gar nicht ist. Doch keine Regel ohne Ausnahme, wie jene beiden Damen bewiesen, die sich im Abteil mit Inbrunst über ihre Masken unterhielten. Und zwar nicht, während sie diese trugen, sondern in Händen hielten und sich gegenseitig vorschwärmten, wie kunstvoll das Teil verziert sei. Gehäkelt, gestrickt – weiss der Teufel was.

Dass sich je Masken-Besitzerstolz entwickeln würde, das hätte ich nun wirklich nicht gedacht. Doch der Mund- und Nasenschutz ist auf dem besten Weg, ein modisches Accessoire zu werden. Daran ist nichts auszusetzen, so lange die Menschen, die das Schutztextil derart in Ehren halten, es auch tragen. Punkt eins. Punkt zwei: Mir graut davor, dass die Krise geht und die Maske bleibt. Wobei sich das Grauen selbstredend auf den letzten Punkt bezieht. Denn an richtige Masken, wahre Kulturgüter, kommen die Krisenprodukte beim besten Willen nicht heran.

balz.bruder@chmedia.ch

Autor

Balz Bruder

Balz Bruder

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