Sexueller Missbrauch Schutzbedürftiger ist etwas vom Verwerflichsten, das es gibt. So ist der Staat aufgefordert, die Integrität und die körperliche Unversehrtheit von Kindern zu schützen. Und wenn es zu einem Missbrauch kommt, ist die Täterschaft für die schändlichen Handlungen zu bestrafen. Bedingungslos. Fragwürdig erscheint daher das Urteil des Amtsgerichts Olten-Gösgen, das einen 70-jährigen Grossvater wegen mehrfacher sexueller Übergriffe auf 4- bis 15-jährige Kinder im eigenen Familienumfeld mit einer bedingten Strafe springen lässt. Er muss nur finanziell bluten.

Nach juristischer Terminologie liegt ein sexueller Missbrauch vor, wenn ein Erwachsener gegen die sexuelle Selbstbestimmung eines Kindes verstösst. Dabei muss es nicht einmal zu körperlichen Berührungen kommen. Es gilt nämlich jede Handlung als sexueller Missbrauch, bei der ein Kind zum Sexualobjekt degradiert wird. Das beginnt bereits bei niederschwelligen Handlungen, wenn etwa ein Kind unter einem Vorwand dazu gebracht wird, seine Geschlechtsteile zu entblössen, damit der Erwachsene sich daran sexuell erregen kann.

Besonders schwer wiegt ein Kindsmissbrauch durch Vertrauenspersonen, zum Beispiel durch Eltern und Grosseltern. Die jahrelange Erfahrung sexuellen Missbrauchs im eigenen Familienumfeld prägt und belastet die Opfer das ganze Leben lang. Dieser Umstand wurde offenbar am Oltner Gericht wenig gewichtet, wie das milde Urteil zeigt. Das ist ein falsches Signal. Und: Bewährungshilfen und Therapien für Pädophile sind gut und recht – aber eine Strafe sollte auch eine abschreckende Wirkung haben.