Persönlich

Eine dufte Stadt

Der Duft von Lindenblüten ist unverkennbar.

Der Duft von Lindenblüten ist unverkennbar.

Eigentlich ist Lindenblütentee nicht so mein Ding. Denn wenn ich solchen trinken soll, dann ist mein Gesundheitszustand jeweils so, dass mir eine ordentliche Schwitzkur verordnet worden ist. Und dazu gehört auch der Lindenblütentee, angereichert mit viel Zitronensaft und einem Löffel voll Bienenhonig. So ist denn besagtes Getränk in meinem Unterbewusstsein nicht wirklich positiv verknüpft.

Wenn ich aber in diesen Tagen durch die Strassen Solothurns schlendere, dann erhalten Lindenblüten eine ganz andere Bedeutung: Der unverkennbare Duft, der von all den über und über mit Blüten behängten Linden ausgeht, liegt derart betörend in der Luft, dass sich selbst bei miesester Tagesform bereits nach einigen wenigen Atemzügen wieder eine gewisse Grundzufriedenheit einstellt. So gesehen liessen sich wohl sogar die einen oder anderen Experten finden, die einen Aufenthalt in Solothurn – dank der positiven psychoaktiven Wirkung des Lindenblütenduftes – als eine von den Krankenkassen zu bezahlende Kur definieren würden.

Literatur-Nobelpreisträger Carl Spitteler hat Solothurn einst als die «goldene Märchenstadt» besungen. Als «Ambassadorenstadt» ging Solothurn in die Geschichtsbücher ein und als «schönste Barockstadt der Schweiz» wird sie heute touristisch eifrig vermarktet. Aber Hand aufs Herz: was ist das alles schon gegen «die dufte Stadt der Lindenblüten»?

urs.mathys@chmedia.ch

Autor

Urs Mathys

Urs Mathys

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