Gastkolumne

Das Sterben der Bäume

(Symbolbild/Niederamt)

(Symbolbild/Niederamt)

Auch wenn die Führung eines Familienunternehmens hinsichtlich der Generationenfolge durchaus mit der Arbeit eines Försters zu vergleichen ist, verstehe ich von Wald und Forst sehr wenig. Dennoch möchte ich die Erkenntnisse aus der Beratung der Interpellation «Waldsterben aufgrund der Trockenperiode» in der Januarsession des Solothurner Kantonsrats einem breiteren Publikum näherbringen. Hintergrund dieses Vorstosses der FDP-Fraktion ist, dass verschiedene Baumarten aufgrund warmer Sommer und schneearmer Winter krank sind – in gewissen Regionen müssen beispielsweise bis zu 70 Prozent des Buchen-Bestandes gefällt werden. Die Regierung teilt die Sorgen der Interpellanten um unsere Wälder und schreibt in ihrer Antwort, dass der sogenannte Sonderstab Wald, ein Gremium zur Zusammenarbeit der Behörden mit Waldeigentümern und Förstern in Krisenfällen, bereits einberufen wurde.

Die Vitalität des Waldes ist ernsthaft bedroht, der Wald ist in seiner Dreifachfunktion als Nutzwald, als Naherholungszone und als Schutzwald gefährdet. Derzeit muss sehr viel Holz zwangsgenutzt werden: Buchen müssen wegen des Risikos des Spontanbruchs, andere Baumarten wegen der Borkenkäfer aus dem Wald entfernt werden. Der Holzpreis ist in der Folge stark gefallen, während die Kosten für die Waldbewirtschaftung deutlich angestiegen sind. Von den heute heimischen Baumarten Fichte, Tanne, Buche, Esche, Eiche und Bergahorn kommen lediglich die Eichen mit den aktuellen Bedingungen gut zurecht, betonte der Förster Georg Nussbaumer (CVP, Olten) im Rat.

Und die Bedingungen werden sich weiter verschlechtern: Der Weltklimarat erwartet, dass schon bei einer durchschnittlichen Erwärmung um 1,5 Grad die heissesten Tage um 3 Grad wärmer werden als die bisherigen Spitzentage, bei durchschnittlich 2 Grad würden die Hitzetage sogar bis zu 4 Grad wärmer – gleichzeitig würden sich diese trockenen Perioden mit Starkregen-Perioden abwechseln. Jede Erwärmung bedeutet auch eine Höhenverschiebung der Waldgesellschaften: Mittelfristig könnten auf dem Weissenstein Eichen die heutigen Tannen- und Buchenwälder ablösen und es ist durchaus denkbar, dass die heimischen Baumarten in tieferen Lagen nicht mehr wachsen werden – welche Arten ihren Platz einnehmen würden, ist noch nicht klar. Die Regierung wirft die Frage auf, ob der Wald diesen Anpassungsprozess bei der aktuellen Veränderungsgeschwindigkeit überhaupt aus eigener Kraft schaffen kann.

Nach wie vor diskutieren wir oft und viel darüber, ob das mit der Erderwärmung wirklich so schlimm ist – an Stammtischen, aber auch in der Politik! Der Wald aber lügt nicht, wenn seine Bäume sterben. Doch passiert das für die meisten von uns unbemerkt. Und wenn wir Laien es alle sehen können, dann wird es unter Umständen zu spät sein, weil ein Wald ein Langfristprojekt ist. Wir tun gut daran, auf die Meinung der Experten zu hören und entsprechend zu handeln.

Mir hat die Diskussion einmal mehr gezeigt, wie dringlich das Thema Erderwärmung eigentlich ist. Und wie nahe es uns bereits heute geht, wenn wir nur hinschauen. Wir werden in doppelter Hinsicht gefordert sein, auf der einen Seite beim Umgang mit den bisherigen Folgen – wie zum Beispiel dem Umbau des Waldes – und auf der anderen Seite müssen wir global unsere Anstrengungen zur Begrenzung des Temperaturanstieges unbedingt vorwärtstreiben. Nur so können unsere Enkel eines Tages mit ihren Kindern auch noch in den Wald gehen.

Josef Maushart, Kantonsrat CVP, CEO Fraisa Holding AG Bellach

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