Kommentar

Das hält unser Politiksystem aus

Es war, als ginge es um das Schicksal der Demokratie. Und dies just am Tag der Jugendpolitik in Solothurn. Dabei stand im Kantonsrat bloss die Frage zur Diskussion, ob die hiesigen Gemeinden die Möglichkeit erhalten sollen, für 16-Jährige das Stimm- und Wahlrecht einzuführen. Wohlverstanden: Abstimmen über Gemeindeangelegenheiten und auf kommunaler Ebene wählen – aber nicht gewählt werden können.

Nun, bis dahin ist noch ein weiter Weg. Am Ende wird das Volk darüber zu befinden haben, ob dem auch von der Regierung im Grundsatz unterstützten Anliegen Nachachtung verschafft wird oder nicht. An die Adresse der Befürworter sei gesagt: Die grosse Jugendmobilisierung wird nicht stattfinden – dafür sind kommunale Angelegenheiten in der Regel dann doch zu wenig «sexy». Und an jene der Gegner: Die Gemeindepolitik wird nicht auf den Kopf gestellt, wenn ein paar Halbwüchsige mehr mitbestimmen über die Anmietung eines Jugendraums.

Summa summarum: Der Kanton Solothurn sollte das Experiment wagen. Nicht weil derzeit jugendliche Klimademonstrationen en vogue sind und eine grüne Welle über das Land geschwappt ist, sondern weil die Partizipation an der institutionalisierten Politik leidet und es kein schlagendes Argument ist, politisch Interessierten das Stimm- und Wahlrecht vorzuenthalten, weil sie im Ausgang noch keinen Schnaps bekommen.

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