Persönlich

Das gute alte Schulfernsehen

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Es war ein Zufall. Und ein blöder dazu. Als sehr, sehr selektiver TV-Konsument war ich am Sonntagabend quasi ein Überraschungsgast bei SRF Meteo. Nicht dass ich Herrn Eitel in luftiger Höhe hätte Gesellschaft leisten wollen. Dafür nahm er gleichsam auf meinem Sofa Platz und erklärte sorgfältigst den «Windchill-
Effekt». Nun weiss ich: Ja dieser hat tatsächlich etwas mit dem Wind zu tun. Und: Er fühlt sich umso unangenehmer an, je schlechter wir Menschen uns mit geeigneter Kleidung schützen, je mehr oder weniger Körperumfang wir haben – und je kälter und heftiger der Wind bläst.

Das stelle ich mir unter wahrem Service public vor: Nicht nur Hoch- und Tiefdruck, nicht nur Temperaturen, nicht nur Berg und Tal werden anschaulich vermittelt, nein, auch die fürsorgliche Empfehlung für Mütze, Schal und Handschuhe gehört dazu, wenn der TV-Zuschauer sich denn anschicken wollte, am kommenden Morgen Haus und Hof tatsächlich verlassen zu wollen. Insbesondere wenn es um die Bekämpfung der lästigen Folgen von Phänomenen wie dem Unterschied zwischen der gemessenen Lufttemperatur und der gefühlten Temperatur in Abhängigkeit der Windgeschwindigkeit geht.

Nun, das Meteo-Schulfernsehen war dann alsbald vorbei. Der erhoffte «Tatort» kam nicht. Dafür «Wilder». Auch nicht schlecht. Nur rüstete ich mich am Morgen danach vergeblich gegen «Windchill». Immerhin: Die Erziehung hatte präventiv gewirkt.

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