Hitzewelle

Das Ende ist nah!

Der Sprung ins kühle Nass ist derzeit sehr beliebt.

Der Sprung ins kühle Nass ist derzeit sehr beliebt.

Hitzewelle? Wer alt genug ist, hat schon ganz anderes gesehen und erlebt. Wie es im Juni 1976 war.

Meine erste zählbare Hitzewelle war im Juni 1976. Zu spät, um noch hitzefrei in der Schule zu geniessen. Von Klimawandel redete damals noch niemand, aber ein Riesengstürm gab es in diesem heissen ersten Sommermonat dennoch. Fürchteteten doch die Bauern nach einem schon zu trocken geratenen Frühling um ihre Ernte, zumal die Hitze ungewöhnlich früh auftrat. Und im ersten Halbjahr 1976 hatte das Aaretal zwischen Biel und Olten nur 30 bis 40 Prozent der üblichen Regenmenge erhalten. Das Bild sehe ich noch heute vor mir: Überall auf Feldern und Fluren hatten Feuerwehren Schlauchleitungen verlegt, sie pumpten Tag und Nacht das kostbare Nass aus der Aare auf die heissen Äcker. Nicht alle Bauern besassen das Privileg, nahe genug an der Aare zu sein, und in kleineren Fliessgewässern wurde die Entnahme bald einmal gestoppt. Eine Zwei-Klassen-Gesellschaft eben.

Wie trocken der Boden damals war, erfuhr ich Anfang Juli am 4.-Liga-Tschutti-Turnier von Kestenholz. Die Zweimal-15-Minuten- Präsenz auf dem nur noch spärlich begrünten Beton-Platz hinterliessen bei mir höchst schmerzhafte Spuren. Auf jeder meiner Fusssohlen zehn tiefrote Punkte, die erst nach Stunden allmählich verblassten. Sie stammten von den Schraubstollen an meinen Fussballschuhen, denn ich Trottel hatte statt zu Gumminocken zum bewährten Nahkampfgerät bei tiefstem Sumpf gegriffen.

Zurück zur aktuellen Hitzeperiode. Ihr Ende ist nah. Stets wenn die Kinder ins Pfadi-lager verreisen, wird es prompt nass und kühler. Das war sogar im Jahrtausendsommer 2003 ein bisschen so. Und im Juli 1976 dann sogar ziemlich krass. Das lässt hoffen.

Autor

Wolfgang Wagmann

Wolfgang Wagmann

Meistgesehen

Artboard 1