Persönlich

Am Fussgängerstreifen

Als eine Fussgängerin an den Fussgängerstreifen tritt, hantiert der heranfahrende Autolenker am Handy. (Symbolbild)

Als eine Fussgängerin an den Fussgängerstreifen tritt, hantiert der heranfahrende Autolenker am Handy. (Symbolbild)

Kapitel I: Eine Fussgängerin tritt beim Solothurner Hauptsitz der Baloise Bank SoBa an die Werkhofstrasse heran. Es ist klar, dass sie die Strasse überqueren möchte. Heisst: Es WÄRE klar, wenn der anrollende Autolenker nicht an seinem Handy manipulieren würde. Im letzten Moment tritt er auf die Bremse. Der unfreiwillige Stopp ärgert den Lenker grausam. Dabei könnte er der Frau dankbar sein: 20 Meter weiter wäre er wohl in die dort vor dem Rotlicht stehende Fahrzeugkolonne aufgefahren.

Kapitel II: Gleich vor besagtem Zebrastreifen mündet auch ein Radweg auf die Werkhofstrasse. Ein ebenfalls wartender Velofahrer denkt sich: Wenn das Auto schon steht, könne er die Strasse doch auch gleich überqueren und fährt los. Da platzt dem Kapitän des unauffälligen Familienwagens erst recht der Kragen: Er hupt, gestikuliert, lässt die Scheibe runter und stösst wüste Verwünschungen aus.

Kapitel III: Gleicher Ort, zwei Tage später. Der gleiche Velofahrer wartet, um die Strasse zu überqueren. In der Kolonne naht ein schwarzer, tiefgelegter Protzschlitten. Der stoppt sicher nicht, denkt Velofahrer sich. Doch siehe da: Der junge Turbo-Lenker hält an. Dass er seine Fahrt anschliessend mit brausendem Gedröhn fortsetzt, ist ihm hiermit verziehen.

urs.mathys@chmedia.ch

Autor

Urs Mathys

Urs Mathys

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