Raphael Wicky und Marcel Koller haben etwas gemeinsam: Sie beide haben die Kabine des FC Basel verloren. Ersterer, weil er nicht mehr ernst genommen wurde. Letzterer, weil er die Mannschaft nie wirklich erreicht hat. Sieben Spiele ohne Niederlage waren noch das Beste, was Koller hinbekommen hat. Er schaffte es aber weder, eine verunsicherte Mannschaft zu stabilisieren, noch ihr eine Handschrift zu geben.

Im Gegenteil: Seit seiner Übernahme am 2. August hat sich Unzufriedenheit breitgemacht. Diese gipfelte nach dem 1:3 gegen YB in einer eigentlichen Revolte der Mannschaft gegen ihren Trainer. Laut diversen Quellen sprach gar die komplette Mannschaft bei Sportchef Marco Streller und Präsident Bernhard Burgener vor und tat ihren Unmut kund.

Ein Trainer ist in einem Verein immer nur so stark, wie er in der Kabine ist. Oder anders gesagt: Verliert er die Kabine, verliert er die Macht. Spätestens seit dem YB-Spiel ist Koller dies passiert. Er hat beim FCB keine Zukunft mehr.

Auch wenn nur noch zwei Spiele vor der Winterpause anstehen, ist eine sofortige Trennung anzustreben. Was der Versuch bringt, ein zerschnittenes Tuch zwischen Klub und Trainer wieder zusammenzunähen, hat sich im Sommer gezeigt: Die aufgeschobene Entlassung Wickys brachte nämlich nichts.

Damit wären wir bei den Fehleinschätzungen der Vereinsleitung. Der erste Fehler von Burgener und Streller war die Entlassung von Erfolgstrainer Urs Fischer. Obwohl eine Fortsetzung der Zusammenarbeit mit Fischer die Ruhe dort bewahrt hätte, wo sie in Zeiten der kompletten Umstrukturierung des Klubs am nötigsten gewesen wäre: direkt bei der Mannschaft.

Stattdessen hat man sich von Fischer getrennt, Wicky als Gesicht für den «neuen» FC Basel geholt – und ihn nach nur einem Jahr entlassen. Mit Koller folgte der komplette Gegenentwurf zu Wicky. Doch kann ein Entscheid, der nur auf der Abgrenzung zu einem früheren Anforderungsprofil basiert, wirklich zukunftsträchtig sein?

Vor der Verpflichtung Kollers sagte Streller: «Die nächste Patrone muss sitzen.» Konsequenterweise müsste er jetzt den Hut nehmen. Seinen Job als Sportchef rettet nur die Tatsache, dass im Klub seit eineinhalb Jahren kein Stein auf dem anderen bleibt. Dieser FCB braucht eine Identifikationsfigur. Geht es aber weiter bergab, rettet Streller auch das nicht mehr. Dann muss er im Sommer gehen.