Das war ja zu erwarten. Die SVP Basel-Stadt enerviert sich gar schröcklich über den bisher wegen seiner Harmlosigkeit oft belächelten Guy Morin. Für eine «Hetzkampagne» habe der Regierungspräsident die Muba-Eröffnung missbraucht. Die SVP «gebasht» und sich über die Durchsetzungsinitiative «lustig gemacht». In der Tat hat Morin, zumindest für einen Anlass, dessen Wesen wohlfeile Worte, viel Selbstlob und gutes Essen ausmachen, Klartext gesprochen. Er stellte vor «tout Bâle» klar, was unter einer weltoffenen Stadt zu verstehen ist, die Basel (noch) ist.

Die Empörung der SVP hat aber eigentlich weniger mit einem unbotmässigen Regierungspräsidenten zu tun, als mit der für die Partei unbequemen Wahrheit, die Morin aussprach. Auch wenn die basel-städtische Variante kulanter und weniger absolutistisch ist als der Herrliberg-Kanon vorgibt, steht sie doch für eine Politik, die insbesondere dem Wirtschaftsstandort Basel schadet. Sie sass bei der Masseneinwanderungs- und der Durchsetzungsinitiative mit im Boot.

Ideologie geht auch ihr vor einem geregelten Verhältnis zu Europa, was unter anderem Novartis erzürnte. Vor allem aber kommt Morins Schelte für die SVP zum falschen Zeitpunkt. Sie will im Herbst endlich in die Regierung. Da wird man vor versammelten Basler Honoratioren meist bürgerlicher Provenienz nicht gerne abgebürstet.

Und Morin? Er scheint im Spätherbst seiner politischen Karriere zur Hochform aufzulaufen. Es stellt sich nur noch die Frage, ob als Staatsmann oder Wahlhelfer für Rot-Grün.