Nota Bene

Gut gemacht, Harry

«Lieber Harry, findi guet:...», beginnt unser Kolumnist Benedikt Lachenmeier sein Nota Bene. (Symbolbild)

«Lieber Harry, findi guet:...», beginnt unser Kolumnist Benedikt Lachenmeier sein Nota Bene. (Symbolbild)

Lieber Harry, findi guet: Du ziehst dein eigenes Ding durch. Fertig «Königliche Hoheit», keine royalen Verpflichtungen und keine öffentlichen Gelder mehr. Die drei Millionen für die Renovierung eures Hauses bezahlst du zurück. Vergessen wir die Schnitzer von früher. Heute bist du ein Vorbild. Du machst alles für die Freiheit deiner Familie. Und sogar die Queen hat ihren Segen gegeben. Das ist nicht selbstverständlich.

Ich bin zwar nicht adlig, Harry, aber ich fühle mit dir. Bei uns in der Familie wird man in den Katholizismus hineingeboren. Für mich war das irgendwie auch ein goldener Käfig. Du kannst dich auf den Liebgott verlassen, hiess es. Er beschützt dich. Ja, und wenn auf der Welt ein Unglück passiert, hat der Allmächtige einfach gestraft? Noch als zwölfjähriger Gymischüler betete ich zum Heiland. Er solle dafür sorgen, dass ich im Mathetest genügend sein werde. Gehört hat er meine Bitte offenbar nie. Irgendwann verlor ich den Glauben an Gott und beschloss, wie man heute sagen würde, den Benxit. Schritt eins: keine Firmung. Mein Vater verriet mir, dass man in der Kirche bereits als 16-Jähriger volljährig ist. Also sagte ich die Feier einfach ab. Schritt zwei: der definitive Austritt. In Gottesdienste ging ich zwar schon lange nicht mehr. Aber die Sache in die Hand genommen habe ich erst, als die Kirche mir Steuern abknöpfen wollte. Da muss ich ehrlich sein.

Mein Vater hat den Benxit stillschweigend akzeptiert. Meine Mutter sagte mir, sie sei traurig, dass ich der Kirche den Rücken zuwende. Aber sie hat nie versucht, mich umzustimmen, sondern meinen Wunsch respektiert. Was hat deine Grossmutter zum Megxit gesagt? «Harry, Meghan und Archie werden immer vielgeliebte Mitglieder meiner Familie bleiben.» Das ist doch schön. Sie akzeptiert dich, obwohl ihr beide so grundsätzlich verschieden seid. Die Queen steht für Konvention, du für den Ausbruch. So ist es auch bei uns in der Familie.

Aber kennen wir das nicht alle ein wenig? Die Geschichte um die Royals bietet viel Identifikationspotenzial. Es geht um die Frage, wie sehr sich eine Familie von Generation zu Generation neu erfinden kann. Ob Megxit oder Benxit: Harry, ich finde, wir zwei haben das gut gemacht.

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