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Der Completer-Wahnsinn!

Joël Gernet beim Wein degustieren. (Archivbild)

Joël Gernet beim Wein degustieren. (Archivbild)

«Es gibt viele fiese Kinderarbeiten auf einem Weingut», erinnert sich Roman Hermann lachend an seine Kindheit zwischen Rebstöcken und Weinfässern. Dass der junge Bündner den Betrieb der Eltern übernimmt, war alles andere als klar. Nach seinen Lehr- und Wanderjahren wusste er: Ein Weingut in der Bündner Herrschaft ist ein Privileg. Die Berge, die Böden, das Klima – besser geht’s kaum.
Und dann ist da noch diese ureigene, fast ausgestorbene weisse Rebsorte. Completer! Eine Diva. In schwierigen Jahren gibt’s einen Totalausfall. In guten einen Granatenwein.

Seit 2017 ist Roman Hermann der Boss auf dem Weingut in Fläsch. Aus dieser Zeit stammt der Completer Grand Maître 2016, bei dem er die Trauben der ältesten Rebstöcke erstmals separat vinifiziert hat. Spontan vergoren, unfiltriert abgefüllt. Der Ausbau in Schweizer Eiche ist noch deutlich zu erkennen – die Vanillenoten und die exotisch-süssliche Würzigkeit passen gut zur reifen, gelben Fruchtaromatik.

Die satte Säure sorgt für das richtige Rückgrat. Die typische Säure macht Completer zu einem der lagerfähigsten Schweizer Weine. Der 2016er im Glas ist also quasi noch ein Jungspund. Vor allem, wenn man die grandiosen Crus von Hermanns Kollegen Giani Boner aus Malans danebenstellt. Er keltert die Malanserrebe oxidativ wie ein Vin Jaune, mit nussigen Noten und den jodig-salzigen Nuancen eines Sherrys. Ganz grosses Kino. Die Weine kommen erst nach über zehn Jahren Ausbau in den Verkauf. Der Completer-Wahnsinn!

Boners Malans-Homie Martin Donatsch interpretiert Completer hingegen frischfruchtig und messerscharf. Krass, wie unterschiedlich sich diese Sorte präsentieren kann.

Ich bin gefläscht – und damit zurück bei Roman Hermann. Der kann auch sonst noch einiges. Zum Beispiel aus der «einfachen» Rebsorte Riesling-Silvaner einen wunderbaren Weisswein keltern. Der 2018er ist ein süffiges Kerlchen ohne Starallüren und mit kleinem Zuckerschwänzchen, das dem Wein wegen der Balance aber gut ansteht. Zu trinken gibt’s ihn im Hotel Basel als Spezialedition zum 10-jährigen Jubiläum der Fasnachtsclique onYva. Darf ich das hier so sagen? Ich finde ja. Ist schliesslich meine Cliq…

 

Joël Gernet, aka Fetch, Rapper der Band Brandhärd, ist Weinjournalist und Mitorganisator der Schweizer Weintage.

www.bonvinvant.com

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