Kommentar

Zündeln ist gefährlich, besonders wenn viel Öl in der Gegend ist

Nach dem Festsetzen von Tankern durch Iran im Persischen Golf konnten zwei iranische Frachtschiffe, die unter US-Sanktionen in Brasilien litten, ihre Fahrt wieder aufnehmen. (Symbolbild)

Nach dem Festsetzen von Tankern durch Iran im Persischen Golf konnten zwei iranische Frachtschiffe, die unter US-Sanktionen in Brasilien litten, ihre Fahrt wieder aufnehmen. (Symbolbild)

Der Konflikt rund um den Persischen Golf eskaliert. Dass es zu einem Krieg kommt, will eigentlich niemand. Aber Massnahmen, um ihn definitiv zu verhindern, leitet auch niemand ein.

Explosiv, umstritten, umkämpft, aber von immenser wirtschaftlicher Bedeutung: Der Persische Golf, das Binnenmeer zwischen dem Iran und der Arabischen Halbinsel, ist seit langem ein weltpolitischer Hotspot. Jetzt schwelt dort erneut ein Konflikt, angeheizt durch den Streit zwischen der iranischen und der US-Regierung.

Am Persischen Golf trifft die arabische auf die persischiranische Welt. Hier stehen sich die regionalen Grossmächte Iran und Saudi-Arabien gegenüber. Hier fochten der Iran und der Irak unter Saddam Hussein (damals von den USA unterstützt) 1980 bis 1988 einen Krieg aus, dem bis zu einer Million Menschen zum Opfer fielen. Hier besetzte der Irak 1990 das Nachbarland Kuwait und wurde 1991 von einer Streitmacht unter US-Führung vertrieben.

Wegen riesiger Erdölvorkommen ist die Region geopolitisch bedeutend: Unter den sieben Ländern mit den grössten Ölreserven der Welt befinden sich fünf Golf-Anrainer: Saudi-Arabien, der Iran, der Irak, Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate. Im Schnitt passieren täglich rund 2.5 Millionen Tonnen Rohöl die Strasse von Hormus, die Meerenge, wo der Golf in den Indischen Ozean mündet. Das ist etwa ein Fünftel des weltweiten Erdölhandels.

Teheran hatte sich im Abkommen verpflichtet, sein Atomprogramm weitgehend einzufrieren. Wie weit Trumps Behauptung zutrifft, der Iran halte sich nicht an das Abkommen, ist umstritten.

Ein Jahr später gab der iranische Präsident Hassan Rohani seinerseits den teilweisen Ausstieg aus der Vereinbarung bekannt. Darauf verlegten die Amerikaner am 10. Mai 2019 einen Flugzeugträger in den Golf, und Trump drohte mit Militärschlägen, bot aber gleichzeitig Gespräche an. Zwei Tage später wurden in der Strasse von Hormus vier Schiffe durch Sprengsätze beschädigt. Am 13. Juni mussten die Besatzungen eines norwegischen und eines japanischen Schiffes nach Explosionen evakuiert werden. Saudis und Amerikaner beschuldigten die iranische Führung des Terrorismus, diese wies jede Verantwortung von sich. Eine Woche später schossen iranische Revolutionswächter eine US-Aufklärungsdrohne ab. Trump ordnet Luftangriffe auf iranische Ziele ab, die er aber in letzter Minute wieder abblies.

Am 4. Juli 2019 stoppten britische Spezialeinheiten bei Gibraltar einen iranischen Tanker. Das Schiff sollte angeblich Erdöl in das boykottierte Syrien liefen, dessen Regime vom Iran gestützt wird. Die iranische Regierung schlug zurück: Revolutionswächter versuchten am 10. Juli, den Tanker «British Heritage» in der Strasse von Hormus zu entführen. Ein britisches Kriegsschiff fuhr dazwischen. Am 14. Juli kaperten Iraner den Öltanker «Riah» aus den Vereinigten Arabischen Emiraten und am 19. Juli den britischen Tanker «Stena Impero».

Die neue britische Regierung hat einen Austausch der in Gibraltar und im Iran festgehaltenen Schiffe abgelehnt und will zudem an der US-Mission «Sentinel» (Wache) zum Schutz der Schifffahrt im Golf teilnehmen. Doch andere Europäer machen nicht mit. Denn sie fühlen sich von Trump überfahren; schliesslich kündigte er das Abkommen im letzten Jahr gegen den Willen der Europäer auf, welche massgeblich an seinem Entstehen beteiligt gewesen waren.

Die Pläne zeigen aber auch, wie uneins die Nato-Mitgliedländer sind. So war die CDU-Vorsitzende und neue deutsche Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer zwar offenbar bereit, deutsche Kriegsschiffe zu entsenden. Doch Aussenminister Heiko Mass (SPD) desavouierte sie und schloss einen Einsatz kategorisch aus. Endgültig lächerlich machten sich die Deutschen, als der Wehrbeauftragte des Bundestages, Hans-Peter Bartels (SPD), einräumte, von 15 deutschen Fregatten seien nur 8 einsatzbereit. Der Iran mokiert sich prompt über die Schwäche des Gegners: Aussenminister Mohammad Sarif höhnte, die Verbündeten der USA schämten sich, eine Koalition mit der Regierung Trump einzugehen.

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