Uno-Generalsekretär

Verwalter, Manager oder Anführer?

Der Portugiese António Guterres wurde als UNO-Generalsekretär nominiert.

Der Portugiese António Guterres wurde als UNO-Generalsekretär nominiert.

Generalsekretär der UNO sei «der unmöglichste Job der Welt». Das wusste schon der erste Amtsinhaber Trygve Lie und sagte es so seinem Nachfolger. Eine der Unmöglichkeiten liegt schon in der Institution, der er vorsteht. New York oder Washington? In New York ist die UNO eine hoch angesehene Institution und ihr Generalsekretär eine Person, zu der man aufschaut. In Washington ist er ein Störenfried, der sich dauernd – ob offen oder nur im Hintergrund – einmischt in die Aussenpolitik der USA. Als die Welt unilateral aussah, war das matchentscheidend. Jetzt, wo Russland mit allen Mitteln versucht, wieder zuvorderst auf die Bühne zu kommen, ist zwar nicht der Kalte Krieg zurück, aber Moskau liegt womöglich noch weiter weg von New York als Washington – kilometermässig und auch sonst.

Dag Hammarskjöld, der vielleicht einflussreichste Amtsinhaber, nannte die UNO «ein Instrument und das Gesicht (expression) der internationalen Gemeinschaft». Diese zwei Dinge, die sich oft in die Quere kommen, gelten auch für ihren Chef. Er muss für moralische Standards, gegen Ungerechtigkeit und menschliches Leid eintreten, aber er darf dabei die Akteure der internationalen Politik nicht vergraulen. Schliesslich ist er immer noch mehr Sekretär als General.

Ban Ki Moon war eher moralischer Prediger als gewiefter Diplomat. Diese Rolle füllte Kofi Annan besser aus, sein Renommee wurde aber am Schluss durch das Missmanagement innerhalb der UNO beschädigt. António Guterres weiss als ehemaliger Hochkommissar des Flüchtlingshilfswerks um das Elend. Er weiss auch, dass bei der Auswahl des Mannes an der Spitze im UNO-Sicherheitsrat (und dort spielt die Musik) der kleinste gemeinsame Nenner zählt. Das heisst: Man einigt sich auf den, der am wenigsten lästig scheint. Guterres ist zu wünschen, dass er in Zukunft dennoch dort mehr das sagt, was er sagen soll, als das, was die Mitglieder gerne hören.

Meistgesehen

Artboard 1