Café Fédéral

Statt Anglizismen Gallizismen: Französisch ist die Sprache, die jetzt «en vogue» ist

Die SRG kombiniert Englisch und Französisch: Die neue Plattform «PlaySuisse».

Die SRG kombiniert Englisch und Französisch: Die neue Plattform «PlaySuisse».

Während man noch vor wenigen Jahren auf die Überzeugungskraft von englischen Ausdrücken setzte, sieht man heutzutage nur noch «la Suisse», wohin man in der Politik auch blickt.

Sprache ist lebendig und stetem Wandel unterworfen. Dass sie sich von Generation zu Generation verändert, war schon zu Goethes Zeiten der Fall.

In den Neunziger- und Nullerjahren ging das Gespenst der Anglizismen durch die Lande deutscher Zunge. Besonders hingebungsvoll nahm die Deutschschweizer Werbe- und PR-Branche englische Ausdrücke in ihren Wortschatz auf.

Der Flughafen Zürich nannte sich «Unique». Das gemeinsame Fussballschauen an der frischen Luft wurde zum «Public Viewing» (was im Englischen übrigens die öffentliche Aufbahrung einer Leiche beschreibt). Und die Besonderheiten und Vorzüge unseres Landes wurden unter dem Begriff «Swissness» subsumiert.

Doch in den anbrechenden Zwanzigerjahren scheint der Wind gedreht zu haben – zumindest in der Politik. Zwar ist derzeit coronabedingt häufig vom Lockdown die Rede.

Aber wer als organisierte Interessenvertretung etwas auf sich hält, setzt aufs Französische– oder genauer gesagt auf den französischen Namen unseres Landes: FDP-Ständerat Ruedi Noser kämpft mit seiner Bewegung «succèSuisse» gegen die Konzernverantwortungsinitiative, das ehemalige Arbeiterhilfswerk als «SolidarSuisse» dafür. Und seit Freitag werben Unternehmer unter dem Namen «autonomiesuisse» für ein besseres Rahmenabkommen. Den Bogen zwischen Anglizismen und Gallizismen schafft die SRG als Institution des nationalen Zusammenhalts: Ihre neue Digitalplattform heisst «PlaySuisse».

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