Kommentar

Spion Daniel M.: Wer vom kurzen Prozess profitiert

Der Fall von Daniel M. wird in Frankfurt hinter verschlossenen Türen verhandelt.

Der Fall handelt von Männern, die sich aufplustern. Als Daniel M., der freie Mitarbeiter des Schweizer Geheimdienstes, aufflog, redete er sich um Kopf und Kragen. Er gestand nicht kleinlaut ein, dass er Fehler gemacht hatte und unvorsichtig vorgegangen war. Sondern er betonte seine Beziehungen in die Chefetage des Nachrichtendienstes und er pries seine Arbeit an. Sein angebliches Meisterstück: Er habe einen Informanten in der nordrhein-westfälischen Finanzverwaltung installiert.

Deutsche Politiker wie Norbert Walter-Borjans, Finanzminister von Nordrhein-Westfalen, waren nicht weniger bescheiden und feierten die Festnahme als Erfolg im Steuerstreit mit der Schweiz. Auf dem Höhepunkt der Affäre bestellte die deutsche Regierung sogar die Schweizer Botschafterin ein.

Vor Gericht versuchen die Akteure nun, die Geschichte kleiner zu machen, als sie ist. Daniel M. stellt sich nicht mehr als Meisterspion dar, sondern als gewöhnlichen Dieb. Er habe nie eine Quelle in der Finanzverwaltung gehabt. Die deutschen Strafverfolger gehen ähnlich vor. Bei der Verhaftung inszenierten sie einen Skandal. Nun wollen sie den Fall in einem kurzen Prozess ad acta legen.

Von diesem Deal profitieren beide Seite. Sie ersparen sich ein langwieriges Verfahren, das Fehler bei allen Beteiligten offenlegen würde. Es gibt nur eine Verliererin: die Öffentlichkeit. Sie wird nicht erfahren, wie sich die Geschichte mit den sich aufplusternden Männern im Detail abgespielt hat.

andreas.maurer@azmedien.ch

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