Sprache verändert sich. Und zwar nicht nur wegen der neuen deutschen Rechtschreibung oder des Gender-Sternchens. Sprache passt sich gesellschaftlichen und technologischen Entwicklungen an. Heutzutage benutzen wir ganz selbstverständlich Begriffe, von denen wir vor 20 Jahren keine Ahnung hatten: Wir gehen online, googeln, mailen, twittern oder whatsappen.

Doch gleichzeitig haben sich Redewendungen gehalten, die völlig sinnentstellt geworden sind. Eine davon ist «Entschuldigung, falsch verbunden». Die Formulierung stammt aus einer Zeit, als das «Fräulein vom Amt» – ähm, die*der (?) Mitarbeiter*in in der Telefonzentrale – die Verbindungen stöpseln, also von Hand herstellen, musste. Nach der Automatisierung der Telefonzentralen, die in der Schweiz 1959 abgeschlossen wurde, stellte nicht mehr die Telefonistin die Verbindung her. Von nun an konnte man die Nummer des Gesprächspartners selber wählen. «Falsch gewählt», wäre somit schon seit genau 60 Jahren die zutreffende Redewendung, um sich für einen irrtümlichen Anruf zu entschuldigen.

Allerdings: Wer wählt heute überhaupt noch eine Telefonnummer? Wenn wir schon mal jemanden anrufen, wischen oder scrollen wir durch unsere Telefonlisten. Wie wäre es also, wenn wir uns mit «sorry, falsch gescrollt» entschuldigen würden?