Ein Whistleblower ist jemand, der in seinem Umfeld einen Missstand aufdeckt und dafür negative Konsequenzen in Kauf nimmt. Er hat die Seiten gewechselt und begibt sich dadurch in Widersprüche. Er kämpft, weil es ihm ums Prinzip geht.

Rudolf Elmers Bilanz fällt bescheiden aus. Der Missstand, auf den er hinwies, stiess auf wenig Interesse, da er in den Grundzügen schon bekannt war. Er dokumentierte das Steuerversteck der Zürcher Privatbank Julius Bär auf den Cayman Islands, doch das hatte kaum Folgen. Sein Verdienst ist einzig, dass er zum Durchbruch der Whistleblower-Plattform Wikileaks beigetragen hat.

Elmer handelte nicht nur aus hehren Prinzipien, sondern auch aus Rache. Er war gekränkt, weil er von der Bank entlassen worden war, und zahlte es ihr heim. Er spielte eine schmutzige Rolle in einem schmutzigen Kampf, in dem am Schluss niemand mit sauberen Händen dastand.

Doch Elmer verkroch sich nicht wie andere Whistleblower in einer Botschaft im Ausland. Er stellte sich dem Urteil von Justiz und Öffentlichkeit. Mittlerweile hat er einen transparenten Umgang mit seinen eigenen Fehlern gefunden. Das steigert seine Glaubwürdigkeit als Aktivist für mehr Transparenz in unserer Gesellschaft.

Elmer ist weder der Held, für den ihn seine Fans halten, noch der Bösewicht, für den ihn seine Gegner halten. Er ist ein Mann voller Widersprüche. Und damit ein typischer Whistleblower.

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