Kommentar

Paradoxe Feminisierung der Schule: Bubenfeindlich wird später frauenfeindlich

Buben als Verlierer: Die Schule ist besser auf Mädchen zugeschnitten.

Buben als Verlierer: Die Schule ist besser auf Mädchen zugeschnitten.

Die Ferien gehen zu Ende, in vielen Kantonen beginnt am Montag das neue Schuljahr. Recherchen der «Schweiz am Wochenende» zeigen: Im Schweizer Schulsystem sind männliche Schüler mehr und mehr die Verlierer. Das hilft auch den Mädchen nicht, im Gegenteil. Ein Kommentar.

Die Untervertretung von Frauen in Politik und Wirtschaft ist ein zentrales Thema dieses Jahres. Wie dringlich es ist, davon zeugen der Frauenstreik und der Rekord von Frauenkandidaturen auf den Nationalratslisten. Es passiert etwas!

An der Schule wurde der Förderung von Mädchen schon vor Jahrzehnten viel Aufmerksamkeit geschenkt. Mit schönem Erfolg: An Gymnasien und an vielen Universitäts-Fakultäten sind Studentinnen in der Mehrheit. Doch warum sind die gut ausgebildeten Frauen längst nicht auch im Berufsleben und in der Politik durchmarschiert?

Die Gründe sind vielschichtig. Ein Faktor aber könnte ebendiese Schule sein, die mehr und mehr auf Mädchen zugeschnitten ist. Die Buben sind schnell die Bösen, nur weil sie nicht stillsitzen können. Doch die Paradoxie dieser Feminisierung: Den Schülerinnen schadet es im späteren Leben mehr, als es ihnen hilft, dass sie – fleissig und gewissenhaft – die Erfordernisse dieses Schulsystems perfekt erfüllen. «Schulen sind Selbstvertrauens-Fabriken für unsere Söhne und Kompetenz-Fabriken für unsere Töchter», sagt die Psychologin Lisa Damour. Sprich: Die zur Eilfertigkeit angeleitete Musterschülerin traut sich später in der Arbeitswelt weniger zu als der vorlaute Minimalist. Dieser litt zwar in der Schule, lernte sich aber durchzusetzen.

Etwas läuft also falsch in der feminisierten Schule – im Ergebnis auch für die Mädchen: Bubenfeindlich wird später frauenfeindlich.

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