Apropos

Kuscheljustiz? Eher Wartejustiz

Justiz, das bedeutet für alle Beteiligten immer wieder eines: Warten.

Justiz, das bedeutet für alle Beteiligten immer wieder eines: Warten.

Stellen Sie sich vor, es ist Gerichtsverhandlung und niemand geht hin. Die Vorstellung ist alles andere als abwegig. Nur allzu häufig ist sie Tatsache. Mal ist der Richter krank oder seine Kinder – kann passieren. Ein anderes Mal erscheint der Angeklagte nicht, ohne sich beim Gericht zu entschuldigen. Rückt jetzt die Polizei aus? Bugsiert sie ihn in den Gerichtssaal? Mitnichten. Er erhält eine zweite Vorladung. Erscheint er wieder nicht, wird er gut und gerne in Abwesenheit zu einer Strafe verurteilt, die er nie antreten wird, da er schon längst über alle Berge ist.

Justiz, das bedeutet für alle Beteiligten immer wieder eines: Warten. Da sitzen dann im Vorraum des Gerichtssaals Kriminelle neben Verteidigern, ein paar Stühle weiter ein Mann und sein Anwalt sowie, in der möglichen Distanz, eine Frau und ihr Anwalt, sprich: Scheidungskrieg, und stets laufen Juristen in Zivil vorbei in ihre Büros, während der Wasserspender blubbert und man sich einmal mehr fragt, warum der Sukkulent im Vorraum so gesund aussieht, wo er doch vom Aussenlicht völlig abgeschottet ist.

Mal ist absolute Stille oder es tickt die Uhr, und mal ertönt ein Schallteppich, gewebt mit Sprachen aus aller Welt. Apropos, damit wären wir bei den Übersetzern. 5 Minuten, 10 Minuten, 15 Minuten, 20 Minuten, liess einer gestern auf sich warten. Und so lag dann dieser Text vor.

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