Kommentar

Keine Aargauerin im Bundesrat, aber vielleicht doch noch ein Aargauer?

Ruth Humbel sagt ab; wird noch Walter Thurnherr ins Rennen gebracht?

Ruth Humbel sagt ab; wird noch Walter Thurnherr ins Rennen gebracht?

Ruth Humbel will nicht Nachfolgerin von Doris Leuthard werden. Ist der Zug für eine Aargauer Vertretung im Bundesrat damit abgefahren? Noch nicht ganz.

Offen und ehrlich erklärt Ruth Humbel ihren Verzicht auf eine Bundesratskandidatur. Das innere Feuer, das bedingungslose Streben nach dem höchsten Amt gingen ihr ab, sagt sie. Die ständige Beobachtung und den hohen Druck will sich die 61-jährige CVP-Nationalrätin nicht antun.

So viel Selbstreflexion mit Ansätzen zu Selbstzweifel sind selten im Politbetrieb. Politiker markieren für gewöhnlich Stärke. Im Zweifelsfall trauen sie sich – vor allem Männer – ein Amt einfach zu. Und wenn sie denn mal auf ein Amt freiwillig verzichten, dann nicht, weil sie sich nicht befähigt fühlen, sondern der Konstellation wegen oder weil sie einen anderen Karriereplan verfolgen. Humbel hätte sich im Kandidatenfeld der CVP jedenfalls nicht verstecken müssen.

Mit Humbels Verzicht wird keine Aargauerin mehr vertreten sein im Bundesrat. Das ist aus regionaler Sicht zwar schade, aber nicht dramatisch. Die Bundesversammlung sollte die geeignetste Persönlichkeit in die Landesregierung berufen, egal ob diese in Bremgarten, Burgdorf oder Bischofszell zu Hause ist; das darf im Zeitalter der beruflichen und privaten Mobilität kein entscheidender Faktor mehr sein.

Ein Name, der mal ins Spiel gebracht, aber bisher nie ernsthaft gehandelt wurde, ist Walter Thurnherr. Der 55-Jährige mit CVP-Parteibuch ist führungserfahren und macht als Bundeskanzler eine glänzende Figur. Langfristig würde ein solcher Coup der schrumpfenden CVP mehr bringen als kurzfristige regionalpolitische Überlegungen. Dass Thurnherr aus dem Freiamt stammt und im Kanton Bern wohnt, ist dabei Nebensache.

Autor

Rolf Cavalli

Rolf Cavalli

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